Aufklärung & Gesundheit: Foodwatch

Foodwatch e.V. ist ein gemeinnütziger Verein und hier setzt man sich mit den Rechten von Verbrauchern und der Lebensmittelqualität auseinander. Foodwatch wurde bereits 2002 in Berlin von dem ehemaligen Greenpeace-Geschäftsführer Thilo Bode gegründet und es gibt mittlerweile Geschäftsstellen in Amsterdam und seit 2014 auch in Paris. Im Jahre 2016 zählte Foodwatch nach eigenen Angaben mehr als 35.000 Förderer – meiner Meinung nach viel zu wenig und Grund genug für mich, einen Artikel über diese Institution zu verfassen.

 

Foodwatch finanziert sich aus den Beiträgen der Fördermitglieder, aber auch aus Spenden und man hat es sich zum Ziel gemacht, den Endverbraucher auf dem gebiet der Agrar- und Lebensmittelproduktion, des Handels und des Absatzes von Verbrauchsgütern sowie der Bereitstellung von Dienstleistungen, aufzuklären und für Transparenz zu sorgen.

 

 

Foodwatch greift vor allem mediengängige Themen wie beispielsweise Lebensmittelskandale auf und positioniert sich dadurch öffentlich als Lobbyorganisation der Verbraucher gegenüber der Nahrungsmittelindustrie. Dazu fährt die Organisation Kampagnen nach Greenpeace-Vorbild; die bekannteste gilt der Substanz Acrylamid, welche beim Erhitzen kohlenhydrathaltiger Lebensmittel entstehen kann. Seit einigen Jahren testet Foodwatch regelmäßig Kartoffelchips und Weihnachtsgebäck auf das krebsverdächtige Acrylamid. Kartoffelchips wurden im August 2007 getestet.

 

 

 

2003 deckte Foodwatch irreführende Werbung von McDonald’s auf. Das Unternehmen hatte versprochen, Brötchen ohne chemische Zusatzstoffe anzubieten, was nicht den Tatsachen entsprach. Nach Intervention von Foodwatch änderte McDonald’s den Slogan auf „natürliche Backhilfsstoffe“ um. Dies wiederum war ein Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz. Erneut schritt Foodwatch ein, worauf McDonald’s 2005 eine Unterlassungserklärung unterschrieb.

 

Anfang 2007 erstattete der Verein Anzeige gegen die Unternehmen SNP (gehört zum Nahrungsmittelkonzern Vion N. V.), GePro (PHW-Gruppe), den Düngemittelhändler Beckmann und die Veterinärämter der Landkreise Diepholz, Emsland, Oldenburg und Vechta. Die Anzeige basierte auf dem Vorwurf, dass die Unternehmen illegalen Handel mit Tiermehl (K3-Material) betreiben und die Ämter hierzu Beihilfe leisten würden. Obwohl entsprechende Abfälle und das daraus hergestellte Tiermehl keinesfalls in die menschliche Nahrungskette gelangen dürfen, fand die Verbraucherschutzorganisation dafür entsprechende Hinweise. Die daraufhin eingeleiteten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben, dass der Handel mit den Mehlen tatsächlich stattfand, jedoch mit Genehmigung der zuständigen Behörden und daher keine Straftat war. Die Genehmigungen selbst haben allerdings gegen geltende Gesetze verstoßen. Da Beihilfe aus juristischer Sicht jedoch nur vorliegt, wenn die Haupttat strafbar ist, wurden die Ermittlungen sowohl gegen die Unternehmen als auch gegen die Ämter Ende 2007 eingestellt. Die Genehmigungspraxis der Behörden wurde daraufhin geändert.

 

 

 

Im Jahr 2008 kritisierte die Organisation anhand einer eigenen Datensammlung amtliche Messwerte aus den Bundesländern, dass an manchen Orten in Deutschland das Trinkwasser stärker mit Uran belastet sei als bisher bekannt. Dabei wurde vor allem die Informationspolitik der Behörden in Frage gestellt und die Forderung erhoben, dass der Verbraucher mit der nächsten Wasserrechnung über den Urangehalt seines Trinkwassers informiert werden solle. Die Trinkwasserverordnung sieht keinen Höchstwert für Uran vor. 2006 war nach Foodwatch-Recherchen und einer Klage auf Informationserteilung ein Grenzwert für Uran in die Mineralwasserverordnung aufgenommen worden: Mineral- und Tafelwasser, das als „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ beworben wird, darf seitdem nicht mehr als 2 µg Uran pro Liter enthalten.[17] Im Vorfeld hatte bereits das Bundesinstitut für Risikobewertung gefordert, Mineralwasser für Säuglingsnahrung müsse frei von Uran sein.[18] Das Umweltbundesamt kritisierte allerdings, dass es aufgrund der neuen Verordnung zu einer Risikoüberbewertung käme, da Wasser erst ab 10 µg Uran pro Liter für die Zubereitung von Babynahrung gefährlich werde.[19]

Im Jahr 2016 veröffentlichte der Verein eine Studie über den Zuckergehalt von Erfrischungsgetränken verbunden mit der Forderung, dass ähnlich wie es ab 2018 in Großbritannien vorgesehen ist, eine Abgabe auf überzuckerte Getränke erhoben werden sollte, um die Gewöhnung der Konsumenten an süße Lebensmittel zu reduzieren und um Übergewicht und Diabetes entgegenzuwirken.

 

Seit März 2009 vergibt die Organisation den Goldenen Windbeutel als Negativpreis für „für die dreisteste Werbelüge des Jahres“, um auf den Unterschied zwischen beworbenen Qualitätsversprechen und den tatsächlichen Eigenschaften von Lebensmitteln hinzuweisen. Preisträger 2017 war der Kinderkeks von Alete.

 

Quellen:

  • Offizielle Website

  • „Wir Verbraucher müssen uns zusammenschließen“ − Interview mit Foodwatch-Chef Thilo Bode (August 2007)

  • Fünf Jahre foodwatch – Rückblick und Ausblick. 2002-2007; aktualisiert per Februar 2008 (PDF), 19 Seiten

  • Guerilla. brand eins, 01/2012; ausführliches Porträt über Thilo Bode und Foodwatch

  • Interview mit Foodwatch-Pressesprecher Christopher Link. f1rstlife.de, 8. Oktober 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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