Die akute Pankreatitis und die therapeutische Ketose

Pankreatitis

 

Als Pankreatitis bezeichnet man in der Humanmedizin die Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Die Pankreatitis lässt sich grundsätzlich in eine akute und chronische Form einteilen. Das Kardinalsymptom der akuten Pankreatitis ist der heftige, abdominelle Schmerz im Oberbauch. Nicht selten kann man weitere begleitende Symptome beobachten, dazu gehören unter anderem Nausea, Vomitus, Obstipation und Fieber. Eine chronische Pankreatitis äußert sich durch immer wieder auftretende Schmerzen im Oberbauch, verbunden mit Nausea, Emesis, Fehlverdauung, Gewichtsabnahme und Fettstühlen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die akute Pankreatitis

 

Eine akute Pankreatitis ist deshalb so schmerzhaft, weil zum einen eine Entzündung vorliegt und auf der anderen Seite ein Prozess in Gang gesetzt wird, den man als Autolyse (Autodigestion) bezeichnet. Die Autolyse ist die Selbstverdauung und Verdauungsenzyme (u.a. Trypsinogen, Phospholipase), die unter physiologischen Bedingungen noch intrapankreatisch inaktiv sind, werden zu früh aktiviert und sie beginnen, das Pankreas zu verdauen. Man geht aber heute davon aus, das auch die proteolytischen und lipolytischen Enzyme bereits in der BSD aktiviert werden und so an der Autolyse beteiligt sind. Eine Pankreatitis ist eine ernstzunehmende Erkrankung und unter Umständen kann sie lebensbedrohlich verlaufen. Verbunden damit, kommt es sehr häufig zum Auftreten diverser Komplikationen.

 

Ursachen der akuten Pankreatitis

 

Die wohl häufigste Ursache für eine akute Pankreatitis ist der Alkoholabusus, aber auch ein biliäres (die Gallenblase betreffend) Krankheitsgeschehen ist häufig anzutreffen. Alkoholabusus (Alkoholmissbrauch) macht rund 35% aller akuten Pankreatiden aus. Nicht selten liegt dabei eine Choledocholithiasis (Gallensteine) vor, da die Mündung der Gallenblase auch gleichzeitig die Mündung des BSD-Ganges in das Duodenum (Zwölffingerdarm) ist (Papilla Vateri). Durch die Steine kommt es zu einer temporären oder längerfristigen Verlegung des Ganges und so staut sich der Gallensaft (Cholestase), was seinerseits zu weiteren Komplikationen führt. Da die Gallensäure neben der Autolyse das Epithel des Pankreasgangs schädigt, kommt es zu einer sogenannten gesteigerten Permeabilität (Durchlässigkeit) unter anderem für die Phospholipase. Auch Alkohol führt zu einer gesteigerten Permeabilität des Gangsystems und zu einer Sklerosierung des Ganges, was die Pankreatitis wiederum begünstigt. In 15% aller Fälle, lässt sich keine Ursache erkennen, man spricht dann von einer idiopathischen Genese.

 

Aber auch andere Umstände können eine Entzündung der BSD provozieren:

 

→ Infektionen (z.B. Mumps, Coxsackie-Virus, Hepatitis, HIV, Zytomegalie-Virus)

→ erhöhte Blutkalziumwerte bspw. bei Nebenschilddrüsenüberfunktion

→ stark erhöhte Blutfette (Hypertriglyceridämie)

→ Papillen- oder Pankreastumor

→ nach einer ERCP

→ autoimmune Pankreatitis

→ Pancreas divisum

→ Medikamente (insbesondere Glukokortikoide, Furosemid, Fluorchinolone wie Tavanic & Ciprobay, Antikonvusiva, Omeprazol etc.)

 

Symptome einer akuten Pankreatitis

 

  • plötzlich auftretende gürtelförmige (starke) Oberbauchschmerzen (Differentialdiagnostisch muss ein u.a. Myokardinfarkt ausgeschlossen werden)

  • Nausea (Übelkeit)

  • Erbrechen (Emesis)

  • Ileus, Subileus (Darmlähmung)

 

Bei der chronischen Form der Pankreatitis kommt es zu ähnlichen Symptomen, allerdings nicht so hoch akut und nicht in der oben beschriebenen Intensität.

Die Schmerzen können grundsätzlich in den Rücken ausstrahlen. Nicht selten findet man gleichzeitig Verdauungsprobleme wie die Obstipation (Verstopfung).

 

Komplikationen

 

Eine Pankreatitis sollte niemals auf die leichte Schulter genommen werden, denn sie kann zu einem lebensbedrohlichen Zustand werden. Schwere Verlaufsformen können zu Schock und Kreislaufversagen führen. Es droht unter bestimmten Umständen ein Ileus/Subileus, es kann ein Diabetes mellitus entstehen und es kann ebenso zu Infektionen der BSD kommen mit einer Abszessbildung. Weitere mögliche Komplikationen sind:

 

→ Pankreaspseudozysten

→ Milz- und Pfortaderthrombosen mit portaler Hypertension (Pfortaderhochdruck)

→ Ikterus, bedingt durch eine Stenose im Gallengang

→ Pankreaskarzinom durch eine wiederholte Entzündung der BSD

 

Diagnostik

 

Bei einer akuten Pankreatitis kommt es zu einem Anstieg der Amylase und der Lipase. Diese entstehen dabei nicht auf physiologischem Wege, sondern durch den Gewebszerfall der BSD. Mittels einer Sonografie (Ultraschall) lassen sich pathologische Veränderungen diagnostizieren. Auch etwaige Steine der Galle lassen sich dadurch sichtbar machen.

 

Bei der chronischen Form wird zusätzlich der Fettgehalt und die Enzyme Chymotrypsin und Alpha-1-Elastase im Stuhl bestimmt.

 

Therapie

 

→ strenge Aklkoholkarenz

→ Analgetika wie NSAR, Tramadol, Buprenorphin, Pethidin

→ Butylscopolamin (Buscopan)

→ Peridualanästhesie

→ Substitution der exokrinen Pankreasfunktion

→ Substitution der endokrinen Pankreasfunktion (Insulin)

→ endoskopische und chirurgische Behandlung, etwa bei Steinen oder Stenose

 

Pankreatitis und die therapeutische Ketose

 

Es ist ehrlich gesagt ein zweischneidiges Schwert, denn so ganz einig ist sich die Wissenschaft bei diesem Thema nicht. Laut dem Portal der wissenschaftlichen Medizin AWMF online, stellt eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse keine absolute Kontraindikation dar. Allerdings wird in den Leitlinien der Gesellschaft für Neuropädiatrie aufgeführt, dass eine Pankreas-Erkrankung zumindest eine relative (keine absolute) Kontraindikation darstellt.

 

Da das Pankreas die Amylase, Lipase und Protease synthetisiert, könnte ich mir gut vorstellen, dass es bei einer reinen ketogenen Ernährung erst einmal zu Störungen der Verdauung kommen kann. Rein aus meinem Erfahrungsschatz heraus könnte ich mir jedoch vorstellen, dass unter Berücksichtigung einer bestimmten Grenze für Fette, sich die therapeutische Ketose sogar positiv auf eine akute, aber auch auf die chronische Form der Pankreatitis auswirken könnte.

 

Tatsächlich gibt es durchaus Erfahrungsberichte Betroffener, die sich trotz einer akuten Pankreatitis dazu entschieden haben, sich ketogen zu ernähren. Eine eindeutige Aussage lässt sich allerdings zum aktuellen Zeitpunkt nicht treffen. Da sich jedoch die ketogene Ernährungsweise auf unterschiedliche Weise im Organismus bemerkbar macht, wäre es durchaus denkbar, dass sich die entzündungshemmende Eigenschaft der Ketose auch auf die pathologischen Vorgänge der BSD auswirkt und es auch hier, zu einem Rückgang der entzündlichen Prozesse kommen könnte. Ein durchaus denkbarer Ansatz, wäre eine ketogene Ernährungsweise bei einer (unüblichen) moderaten Fettzufuhr und einer Erhöhung der "gesunden" Kohlenhydraten in Form von Gemüse, Beeren und Nüssen, ohne jedoch dabei die 45g-Grenze zu überschreiten, um die Ketose und somit die Neoketogenese zu gewährleisten.

 

Tatsächlich ist es so, dass Menschen mit einer Pankreatitis ohnehin im stationären Alltag auf Diät gesetzt werden. Die Ketose ist auch dann möglich, wenn der Makronährstoff Fett auch deutlich unter den empfohlenen 60% liegt. Durchaus denkbar wäre auch der Ansatz, soweit dafür keine Kontraindikationen vorliegen, die ersten Tage zu fasten und lediglich Flüssigkeit zuzuführen. Mit dem Einsetzen der Ketogenese ab dem dritten oder vierten Tag, könnte dann ein Kostaufbau erfolgen, der die laufende Ketogenese auch weiterhin aufrecht erhält.

 

Ein weiterer Aspekt ist die Entlastung der BSD im Sinne der Insulinproduktion, denn die ketogene Ernährung führt dazu, dass nur noch marginal Insulin ausgeschüttet werden muss. Dieser Umstand könnte sich ebenfalls positiv auf den gesamten Krankheitsverlauf auswirken.

 

Persönlich bin ich der Ansicht, dass sich die ketogene Ernährung auch beim Vorliegen einer akuten (auch bei einer chronischen Verlaufsform) Pankreatitis umsetzen ließe, vorausgesetzt, dass der Betroffene medizinisch betreut wird.

 

 

 

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