Wie die Simulation eines ketogenen Milieus schwer kranken Menschen helfen könnte

Wie die Simulation eines ketogenen Milieus schwer kranken Menschen helfen könnte

 

Dass die therapeutische Ketose zu einer Abnahme der entzündlichen Prozesse in unserem Organismus führen kann, ist gemeinhin bekannt. Andererseits wissen wir, dass es unter dem Einfluss von Glukose im Rahmen des konventionellen Kohlenhydrat-Modus vermehrt zu solchen Reaktionen kommen kann. Wenn man „Entzündung“ hört, dann verbinden wir damit umgehend die sichtbaren Zeichen einer Entzündung, Rubor (Rötung), Tumor (Schwellung), Calor (Überwärmung), Dolor (Schmerz) und Functio laesa (eingeschränkte Funktion) – dies sind die sogenannten Kardinalsymptome einer Entzündung. Sichtbare Entzündung sind leicht zu diagnostizieren und häufig klingen diese auch relativ rasch wieder ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch der Mensch ist nicht nur für solche Formen von Entzündungen empfänglich, die ganze Angelegenheit kann sich nämlich auch intern, also im Körper abspielen und dann wird es bereits schwieriger, diese ohne weitere Diagnostik aufzuspüren. So gibt es beispielsweise Menschen, bei denen Entzündungsparameter in der Blutbild-Diagnostik dauerhaft erhöht sind, ohne dass es hierfür eindeutige Hinweise und Anzeichen gibt (CRP, Leukozyten und BSG).

 

Das CRP ist das sogenannte C-reaktive Protein, es gehört zur Familie der Pentraxine und es wird intrahepatisch, also in der Leber gebildet und dann ins Gefäßsystem abgegeben. Neben anderen Proteinen gehört das CRP zu den Akute-Phase-Proteinen, Eiweiße, die immer dann in erhöhten Blutkonzentrationen anzutreffen sind, wenn im Körper entzündliche Prozesse aktiv sind, diese können dabei infektiöser und non-infektiöser Natur sein.

 

Die Leukozyten sind nichts anderes als die sogenannten weißen Blutzellen, man findet sie aber auch im Knochenmark und in den lymphatischen Organen wie beispielsweise der Thymusdrüse. Leukozyten werden beim Erwachsenen in der Medulla osseum rubrum, dem roten Knochenmark also, gebildet. Diesen Vorgang bezeichnet man als Leukopoese (Leukozytopoese). Eine ihrer Aufgaben ist es, Krankheitserreger durch die Phagozytose (Aktivität der Fresszellen) unschädlich zu machen und kommt es zu einer Infektion, so kann die Leukozyten-Anzahl relativ rasch ein enormes Ausmaß annehmen.

 

BSG bedeutet nichts anderes als Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit und auch dieser Wert spielt im Rahmen der Blutbilddiagnostik eine Rolle, wenn es um entzündliche Prozesse geht, da dieser Wert dabei von der Norm abweichen kann.

 

Ob es sich nun um sichtbare Entzündungen handelt, oder um solche, die innerhalb des Organismus stattfinden und zunächst auch keine Beschwerden verursachen, spielt dabei keine große Rolle, denn diese Werte verändern sich dabei und sie geben somit den ersten Hinweis für das Vorhandensein von Entzündungen.

 

Nun gibt es jedoch stille, latente Entzündungsprozesse, für die wir natürlich auch empfänglich sind und sie können langsam voranschreitend sein, ohne dass Symptome oder Beschwerden zu erkennen sind. Und das ist ein Problem, denn eine dauerhafte Entzündung im Organismus kann der Nährboden für andere Erkrankungen sein. Bei diesen Entzündungen kann jedwede Struktur des Körpers betroffen sein und wir wissen heute, dass Entzündungen bei der Entstehung von Krebs eine Rolle spielen. Ferner können latente Entzündungsprozesse auch Autoimmunerkrankungen hervorrufen und genau darin liegt die Gefahr.

 

Chronische Entzündungen durch viszerales Fett

 

Wer dauerhaft übergewichtig ist oder gar an einer pathologischen Fettleibigkeit (Adipositas) leidet, der ist besonders empfänglich für entzündliche Prozesse. Dies bedeutet jedoch nicht, dass schlanke Menschen nicht ebenso davon betroffen sein können. Entscheidend ist hier das Verhältnis zwischen Körpergewicht und Körperfettanteil. Auch schlanke Menschen können unter Umständen (und im Verhältnis) über einen hohen Anteil an Viszeralfett verfügen. Die Problematik des übermäßigen Viszeralfettes liegt in dessen Aktivität begründet, denn neben vielen nützlichen Botenstoffen werden hier auch eine ganze Reihe von entzündungsfördernden Botenstoffen produziert.

 

Über das Gefäßsystem gelangen diese dann in die gesamte Peripherie des Körpers und können praktisch überall zu Entzündungen führen. Besonders gefährdet sind dabei Organe, die aufgrund ihrer anatomischen Lage in direkter Nachbarschaft angesiedelt sind, so zum Beispiel Leber, Herz, Pankreas und Milz. Die Folgen können dann unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder die Begünstigung von Diabetes mellitus sein.

 

An dieser Stelle setzt die therapeutische Ketose an mehreren Punkten an. Eine Reduktion des Körpergewichtes bedeutet zunächst einmal auch eine Reduktion des Viszeralfettes, alleine diese Tatsache bewirkt einen Rückgang entzündlicher Prozesse, ausgelöst durch die viszeralen Fettdepots. Auch die fehlenden Kohlenhydrate („Zucker“) sorgen für eine Verminderung entzündlicher Prozesse, sie können also nicht mehr wie gewohnt als Mediator fungieren. Und zuletzt führt die Präsenz der drei Ketonkörper Acetoacetat, Acetat und Beta-Hydroxybutyrat zu einer Eindämmung entzündlicher Reaktionen.

 

Die therapeutische Ketose verringert entzündliche Prozesse

 

Da die erwähnten entzündlichen Prozesse alle Strukturen des Organismus treffen können, kann natürlich auch unser Gehirn davon betroffen sein. Unsere Mediziner wissen heute, dass eine Vielzahl von degenerativen Erkrankungen auf entzündliche Prozesse in unserem Gehirn zurückzuführen sind. Deshalb kann die ketogene Ernährung degenerative Erkrankungen bereits bei ihrer Entstehung, aber auch in ihrem Verlauf maßgeblich beeinflussen. Man vermutet, dass der Grund hierfür eine Stabilisierung der sogenannten Zell-Homöostase ist und dabei ein antiinflammatorisches Milieu entsteht.

 

Einem Forscher-Team der University of San Francisco könnte möglicherweise der zugrunde liegende Mechanismus durch die Gabe von Medikamenten gelungen sein. Dies ist deshalb von enormer Bedeutung, da schwerkranke, ältere Menschen oftmals nicht in der Lage und Verfassung sind, ketogen ernährt zu werden. Wenn jedoch die Gabe eines Medikamentes dazu in der Lage wäre, das Milieu der ketogenen Ernährung herbeizuführen, dann könnten auch jene Menschen davon profitieren, die sich nicht keto-konform ernähren können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Forscher konnten in einem Versuch an Ratten durch die Gabe von 2-Deoxyglukose, ein kompetitiver Glukose-Antagonist (Gegenspieler), die Bindungsstelle der Hexokinase blockieren und somit einen relativen Mangel an Glukose auf intrazellulärer Ebene hervorrufen – wohlgemerkt, obwohl den Ratten Zucker verabreicht wurde. Durch die intraperitoneale Applikation von Polysaccharid wurde dann eine künstliche Entzündung bei diesen Ratten ausgelöst, die Entzündung führte auch innerhalb des Gehirns zu einer Aktivierung der Immunzellen (Microglia) und in histo-pathologischen Hirnschnitten konnte diese auch nachgewiesen werden.

 

Die Forscher vermuten, dass es durch die Gabe von 2-Deoxyglykose zu einer Verringerung des sogenannten NADH/NAD+-Verhältnis im Zytosol kam, was wiederum intrazellulär zu einer Aktivierung des C-terminal-binding-protein (CtBP) führte. Dieses Protein unterdrückte laut dem Forscher-Team die entzündlichen Prozesse. Da die 2-Deoxyglukose in höheren Konzentrationen für Säugetiere toxisch wirkt, wurde ein Peptid synthetisiert, welches CtBP auf direktem Wege aktivieren konnte und so gelang dann auch die Simulation eines keto-adaptierten Stoffwechsel-Zustands. Dadurch bedingt wurden die entzündlichen Prozesse im Gehirn unterdrückt. Ein Medikament, das in der Lage wäre beim Menschen das ketogene Milieu zu erzeugen, wäre für die Humanmedizin eine Errungenschaft von unschätzbarem Wert und die Therapiemöglichkeiten degenerativer Erkrankungen würden in einem erheblichen Ausmaß beeinflusst werden können.

 

Anmerkungen:

 

Als Zytosol (Cytosol) bezeichnet man die flüssigen Bestandteile des Zytoplasmas der eukarotischen (Zellen die einen echten Zellkern besitzen) und prokarotischen (Zellen ohne Zellkern) Zellen.

NAD steht für Nicotinamidadenindinukleotid, dabei handelt es sich um ein Coenzym, das an etlichen Redoxreaktionen des Stoffwechsels einer Zelle beteiligt ist. NADH steht für die reduzierte Form des NAD. NAD+ stellt die oxidierte Form von NAD dar. Die Redoxreaktion ist eine chemische Reaktion, bei der ein Reaktionspartner Elektronen auf einen anderen überträgt.

 

 

 

 

 

 

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