Ketogene Ernährung und Morbus Bechterew [Spondylitis ankylosans]

Wie die therapeutische Ketose Menschen mit Morbus Bechterew helfen kann

 

Es ist, als sei die Diagnose eine Stigmata: Morbus Bechterew, auch bekannt als Spondylitis ankylosanas. Morbus Bechterew ist eine Erkrankung, die je nach Grad der Aktivität zu einer Vielzahl von schwerwiegenden Symptomen führen kann, Gelenkschmerzen, starke Rückenschmerzen, sternaler Schmerz und eine Gelenksteifigkeit, die häufig am Morgen im Zenit steht.

 

Für viele betroffene Menschen bedeutet dies, ständig Medikamente wie beispielsweise Nicht-steroidale-Antirheumatika (NSAR) nehmen zu müssen – nicht selten ein Leben lang.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: By Anagoria [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or

CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], from Wikimedia Commons

 

Abbildung (oben): Die typisch verknöcherte Wirbelsäule bei Morbus Bechterew

 

 

Medizinisch gesehen ist die Bezeichnung Morbus Bechterew ein wenig veraltet, jedoch wird dieser Begriff in der Alltagssprache auch noch heute rege verwendet. Es war der russische Neurologe Wladimir Bechterew (1857-1927), der dieser Erkrankung ihren Namen gab, da es der erste Mediziner war, der sich eingehend mit diesem Krankheitsbild befasst hatte.

 

Dabei gehört die ankylosierende Spondylitis zum Rheuma-Formenkreis und eines der maßgeblichen Charakteristiken ist dabei die Entzündung der Wirbelsäule und der Iliosakralgelenke, also den Darmbein-Gelenken. Die Erkrankung verläuft chronisch und es kommt relativ häufig zu Phasen mit erhöhter entzündlicher Aktivität (Schübe).

 

Epidemiologie

 

Die ankylosierende Spondylitis gehört zu den sogenannten Spondylarthropathien und einer Berliner Studie zufolge sind etwa 1,9% der deutschen Bevölkerung von dieser Erkrankung betroffen. Laut der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e.V. werden Jahr für Jahr zwischen 100.000 – 150.000 Fälle diagnostiziert und beide Geschlechter sind gleichermaßen davon betroffen. Allerdings gibt es einen kleinen geschlechterspezifischen Unterschied, denn die Verknöcherung der Wirbelsäule verläuft bei Frauen oftmals weniger dramatisch und so vermutet man, dass viele Bechterew-Fälle gar nicht als solche erkannt werden, da eine ausgeprägte Symptomatik fehlen kann.

 

Ursachen

 

Es sieht so aus, als sei die Ursache für Morbus Bechterew in einer Störung des Immunsystems zu liegen, bis heute sind dabei alle Ursachen jedoch nicht vollständig aufgeklärt worden. Man geht davon aus, dass der sogenannte Tumornekrosefaktor-Alpha [TNF-Alpha] bei der Erkrankung eine maßgebliche Rolle spielt, denn wird dieser therapeutisch gehemmt, so kommt es zu einer deutlichen Linderung der Symptome. Obwohl kein Auslöser hierfür bekannt ist, treten bei Entzündungen der Kreuzbein-Darmbeingelenke dort Fresszellen, T-Helferzellen aber auch cytotoxische T-Zellen auf. Zeitgleich kommt es bei vielen Patienten zu erhöhten Antikörper-Titer im Blut gegen Enterobakterien, ein Beweis dafür, dass diese den Krankheitsverlauf jedoch beeinflussen, konnte bis zum aktuellen Zeitpunkt nicht erbracht werden. Auch andere immunologische Komponenten sind bei der Entstehung von Morbus Bechterew von Bedeutung, da man eine erhöhte Aktivität bestimmter Parameter nachweisen kann.

 

Pathophysiologie

 

Auf pathophysiologischer Ebene kommt es im Rahmen dieser Erkrankung zu Entzündungen der Sehnenansätze, besonders das Becken und die Wirbelsäule sind davon betroffen. Es kommt zu lokalen Ödemen und das Knochenmark wird geschädigt, nun ist die Voraussetzung für die charakteristische Verknöcherung geschaffen und ein derartiger Substanzumbau geht immer mit Schmerzen und einem Verlust der physischen Flexibilität einher. Eines der häufigsten Anzeichen ist die Entzündung des Kreuzbein-Darmbeingelenkes (Sakroiliitis) und dabei können sowohl die Gelenkkapsel als auch der Sehnenansatz betroffen sein. Es kommt zu einer Proliferation von Granulationsgewebe unterhalb des Gelenkknorpels und nun treten Lymphozyten und Makrophagen in Erscheinung. Zunächst werden die geschädigten Strukturen durch Faserknorpel ersetzt, im Verlauf verknöchern diese jedoch und das Gelenk wird steif und bereitet mitunter sehr starken Schmerz. Wenn die Erkrankung im weiteren Verlauf voranschreitet, dann kommt es auch zu einer sekundären Osteoporose, die Wirbelkörper nutzen sich ab und die Übergänge zwischen den Bandscheiben und den Knochen werden zunehmend zerstört, was das Krankheitsbild enorm verschlechtert.

 

Symptome und das klinische Bild

 

- stumpfe Schmerzen in Lenden- und Gesäßregion

- morgendliche Steifheit, diese bessert sich im Tagesverlauf häufig

- Arthritis in Schulter, Hüfte und Kreuzbein-Darmbeingelenk

- Entzündungen der Sehnenansätze (Enthesopathie)

- Verknöcherung der Wirbelsäule mit Verlust der Flexibilität

- Knochenbrüche bereits bei leichten Traumata

- Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut)

- Entzündungen des Colon oder Krummdarms

 

Die Diagnostik erfolgt anhand bestimmter Kriterien. Eindeutige Labortests gibt es nicht, allerdings haben über 90% aller betroffenen Menschen das HLA-B27-Gen und die Konzentration des C-reaktiven Proteins CRP und Immunglobulin A sind erhöht. Im Röntgen werden die Veränderungen des Bewegungsapparates sichtbar.

 

Therapie

 

- Bewegung und Physiotherapie

- Physikalische Anwendungen (Wärme-, Kälteanwendungen, Hydrotherapie etc.)

- NSAR, Sulfasalazin, Biphosphonate, Isotop-Radium-Therapie, TNF-Alpha-Blocker

- im akuten Schub Glukokortikoide

- chirurgische Maßnahmen (z.B. TEP)

 

Die therapeutische Ketose

 

In etlichen Beiträgen habe ich über die antiinflammatorische Wirkung der therapeutischen Ketose auf meinem Blog und in meinem Buch berichtet. Auch bei Morbus Bechterew liegen entzündliche Prozesse zugrunde und aus meinem direkten Umfeld weiß ich, wie sehr sich die therapeutische Ketose auf diese Aktivitäten positiv auswirken kann. Eine spezielle Ernährungsempfehlung für Patienten mit Morbus Bechterew gibt es nicht, allerdings können viele Lebensmittel den Verlauf beeinflussen, denn einerseits kann das Gewicht beeinflusst werden und sie können auch andererseits eine übergeordnete Rolle bei den in Schüben verlaufenden Entzündungen spielen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Morbus Bechterew und das Körpergewicht

 

Eine der wohl wichtigsten Maßnahmen im Rahmen von Morbus Bechterew ist das adäquate Gewichtsmanagement und übergewichtige Menschen profitieren bei einer Abnahme und Aufrechterhaltung des optimalen Körpergewichtes enorm.  Da Übergewicht Knochen und Gelenke belastet, kommt es natürlich auch zu einer Verbesserung der Symptomatik bei der Gewichtsreduktion. Hier kann die ketogene Ernährungsweise bereits einen wertvollen Beitrag leisten.

 

Eine Ernährung mit einem entzündungshemmenden Profil wie die Ketogene, kann Entzündungen im Körper in einem signifikanten Ausmaß beeinflussen. Da die ketogene Ernährung einer mediterranen Ernährung sehr nahe kommt, wird diese auch von der Arthritis Foundation und den Cancer Treatment Centers of America empfohlen.

 

Wer den Fokus auf die folgenden Nahrungsmittel innerhalb einer ketogenen Ernährungsform legt, kann relativ rasch von den damit verbundenen Vorteilen profitieren:

 

- Omega-Fettsäuren

 

Ein Forschungsbericht aus dem Jahre 2012 zeigt, dass ein hoher Gehalt an essentiellen Fettsäuren eine wenn auch nur begrenzte Wirkung auf Gelenkentzündungen haben kann. Allerdings konnte in einer (begrenzten) Studie nachgewiesen werden, das Omega-3-Fettsäuren die Aktivität der Erkrankung maßgeblich reduzieren kann. Natürliche Quellen für Omega-3-Fettsäuren sind unter anderem Walnüsse, Leinsamen, Chiasamen, Leinöl und vor allem fette Fische wie Lachs, Thunfisch und Sardinen.

 

- Antioxidativ wirkende Lebensmittel

 

Der Verzehr von Lebensmittel mit einem relevanten Anteil an antioxidativ wirkenden Substanzen wird von der britischen National Ankylosing Society NASS empfohlen.

 

- Ballaststoffe

 

Auch Ballaststoffe haben eine antiinflammatorische Wirkung auf unseren Organismus.

 

- Lebensmittel mit hohem Calciumgehalt

 

 

Es ist gemeinhin bekannt, dass der Morbus Bechterew mit einer allgemeinen Schwächung der Knochensubstanz einhergeht und das Osteoporose-Risiko um ein Vielfaches erhöht ist. Calciumreiche Lebensmittel sind deshalb von enormer Bedeutung und calciumreiche, natürliche (keto-konforme) Lebensmittel sind unter anderem:

 

-          Nüsse wie Mandeln

-          Sardinen

-          Kohlsorten insbesondere Chinakohl

-          grüne Gemüsesorten wie Grünkohl, Brunnenkresse, Spinat, Brokkoli

-          Beeren

-          Hartkäse

 

Alkohol, Ketose und Morbus Bechterew

 

Alkohol ist zum einen nicht geeignet für eine ketogene Ernährungsweise und sollte außer an Cheat-Tagen, eine untergeordnete Rolle spielen. Bei Patienten mit Morbus Bechterew muss insbesondere darauf geachtet werden, da Alkohol die Kalziumaufnahme hemmt.

 

Vitamin D

 

Es ist bekannt, dass Vitamin D dem Organismus die Aufnahme von Kalzium über den Speisebrei im Dünndarm ermöglicht und somit unerlässlich ist. Nicht selten leiden Betroffene dabei an einem Mangel an Vitamin D, dieses muss dann oftmals supplementiert werden. Es ist auch bekannt, dass das Vitamin die Symptomatik im Rahmen der Bechterew-Erkrankung reduziert. Als natürliche Vitamin-D-Quellen kommen neben einer entsprechenden Sonnenexposition folgende Lebensmittel in Frage:

 

-          Fisch

-          Meeresfrüchte

-          Ei (Eigelb)

-          Leber

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung: Eine Sonnenexposition ist für die Synthese von Vitamin D unerlässlich

 

 

Lebensmittel, die unbedingt gemieden werden sollten, insbesondere im Rahmen eines akuten Schubes:

 

-          Zucker

-          sehr natriumreiche Kost

-          Convinience-Produkte

-          rotes Fleisch

-          Soja, Sonnenblumenöl, Mayonnaise

 

Der Bechterew-Patient kann sich trotzdem ketogen ernähren, allerdings sollte die Zufuhr von rotem Fleisch nur marginal zum Einsatz kommen. Viel essentieller sind Lebensmittel wie helle Fleischsorten, Meeresfrüchte und vor allem Fisch. Ein Übermaß an Omega-6-Fettsäuren sollte dabei stets bewusst gemieden werden, ebenso so Transfettsäuren, denn diese wirken sich negativ auf den Krankheitsverlauf aus.

 

 

Weblinks:

 

https://www.arthritis.org/living-with-arthritis/arthritis-diet/anti-inflammatory/anti-inflammatory-diet.php

https://www.cancercenter.com/discussions/blog/reduce-harmful-inflammation-with-the-anti-inflammatory-diet/

https://nass.co.uk/about-as/living-well-with-as/diet-and-as/

https://www.medizin-aktuell.net/behandlung-von-morbus-bechterew/

 

Fachliteratur:

 

Albrecht Falkenbach (Hrsg.): Morbus Bechterew. Beratung, Betreuung, Behandlung. Springer-Verlag, Wien u. a. 2005, ISBN 3-211-00808-X

Wolfgang Miehle: Ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew). Rheumamed-Verlag, Samerberg 2006, ISBN 3-9810960-5-3

Tinsley R. Harrison u. a.: Harrison's Principles of Internal Medicine. 16. Auflage. Mcgraw-Hill Professional, New York NY 2005, ISBN 0-07-139140-1

 

 

 

 

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