Ketoplastizität und Gicht – eine alternative Behandlungsmethode

Ketoplastizität und Gicht – eine alternative Behandlungsmethode

 

Als ich mit der Arbeit am Manuskript für mein Handbuch fast schon am Ende war, zog ich Bilanz und kam zu dem Schluss, dass die „Ketogene“ als Therapie bei einer Vielzahl von Erkrankungen nützlich sein kann. Heute, lediglich sieben Monate nach der Erstveröffentlichung, muss ich dies wohl revidieren und vor allem korrigieren. Ich glaube, dass keine einzige weitere Ernährungsform existiert, die derart signifikant in die pathologischen Prozesse eingreifen kann, wie es die ketogene Ernährung vermag. Und schon weiß ich heute, dass mein Handbuch definitiv überarbeitet und vor allem "erweitert" werden muss um dieser Ernährungsweise in irgendeiner Weise gerecht werden zu können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung: Das Alkaloid der Herbstzeitlosen, Colchicin leistet gute Dienste bei der Bekämpfung der Gicht

 

Nehmen wir an dieser Stelle einmal exemplarisch die Gicht. Die Gicht ist eine Erkrankung, bei der es bedingt durch eine sogenannte Hyperurikämie zu schmerzhaften Gelenken kommt. Als Hyperurikämie bezeichnet man in der Humanmedizin eine pathologische Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut, dabei liegt dieser Wert bei Frauen über 6.7 mg/dl und bei Männern bei 7.4 mg/dl. Ferner unterscheidet man gerne zwischen einer sekundär und primär entstandenen Hyperurikämie. Auf pathologischer Ebene kommt es bei der Gicht zu einer Einlagerung von kristallisierten Substraten, genauer gesagt, von Salzen der Harnsäure, das sogenannte Urat.

Dies verursacht dann den quälenden Schmerz. Die primäre Gicht ist wohl genetisch bedingt, dabei kommt es zum Krankheitsbild durch eine verminderte Harnsäuresekretion der Nieren. Bei der sekundären Gicht hingegen kommt es zu einem erhöhten Harnsäureanfall durch Zellaufbau und Zellabbau. So zum Beispiel im Rahmen einer hämolytischen Anämie. Die Gicht ist in Industrieländern eine sehr häufig anzutreffende Stoffwechselerkrankung und Männer sind dabei häufiger betroffen, als Frauen.

 

Klinisch unterscheidet die Medizin vier Stadien:

 

Stadium I: asymptomatisches Stadium

Stadium II: akuter Gichtanfall mit reaktiven Entzündungen und Schmerzen

Stadium III: Intervall zwischen zwei akuten Gichtanfällen, meist symptomlos

Stadium IV: chronische Gicht mit wiederkehrenden akuten Episoden

 

Therapie

 

Im Rahmen der Gicht-Therapie bedarf es einiges an Medizinkunst, denn oft muss an mehreren Schrauben gedreht werden, um Erfolge zu erzielen:

 

-  Zum einen muss langfristig die Harnsäurekonzentration im Serum verringert werden, um weitere Schübe zu verhindern.

 

-  Eine purinarme Kost wird zum aktuellen Zeitpunkt immer noch häufig verordnet. Purin ist eine sogenannte heterobizyklische Verbindung, die unter anderem zur Nukleotidbiosynthese benötigt wird.

 

Medikamentös erreicht man die Senkung des Harnsäurespiegels mittels folgender Medikamente:

 

- Urikostatika wie Allopurinol

- Urikostatika wie Probenecid oder Benzbromaron

 

-  Um die Schmerzen symptomatisch zu behandeln, bedarf es einer Antiphlogistika/Analgetika/Antirheumatika-Therapie, so kommen etwa Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen oder Metamizol zum Einsatz, aber auch das Colchicin, ein Alkaloid der sogenannten Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale).

 

Der Erfolg ist nicht immer berauschend. Doch über die Ernährung lässt sich viel erreichen, so auch bei der Gicht. Der Wissenschaftler E.L. Goldberg von der Medizinischen Fakultät Yale (New Heaven, USA) veröffentlichte im Jahre 2017 dazu folgende Arbeit: β-Hydroxybutyrate deactivates neutrophil NLRP3 inflammasome to relieve gout Flares.

 

Die schmerzhaften Entzündungen im Rahmen einer Gichterkrankungen entstehen unter anderem dadurch, dass der sogenannte Proteinkomplex NLRP-3-Inflammasom zur typischen Symptomatik führt. Bei dem Inflammasom handelt es sich um einen cytosolischen Proteinverbund in den Makrophagen und den neutrophilen Granulozyten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung: Ein typischer akuter Gichtanfall

 

Das Inflammason wird dabei durch die Anwesenheit von Harnsäurekristalle in den Gelenken stimuliert. Dadurch kommt es zu einer ganzen Kaskade von entzündlichen Reaktionen und zum Gichtanfall. Goldberg und sein Team versuchten es mit einem anderen Therapieansatz. Warum die therapeutische Ketose die typischen Gicht-Symptome signifikant beeinflussen kann, war bis zu jenem Zeitpunkt nicht geklärt, da die zugrundliegenden Mechanismen zunächst noch unbekannt waren.

 

Allerdings konnte Goldberg und sein Forscherteam in vielen Experimenten feststellen, dass die Gelenke in Tierexperimenten weniger stark anschwollen und auch die entsprechenden Entzündungsmarker dieser Tiere viel geringer waren, als bei der Kontrollgruppe, die konventionell ernährt wurde. Die Forscher waren sich einig, dass dies auf die Ketonkörper zurückzuführen sein musste und ferner stellten sie fest, dass nicht nur die Entzündungsantwort entsprechend vermindert stattfand, sondern auch der Grad der Gewebedestruktion deutlich vermindert war. Und sie stellten zeitgleich auch fest, dass dies geschah, ohne die bakterielle Immunabwehr zu beeinträchtigen. Eine äußerst wichtige Voraussetzung, um die therapeutische Ketose beim Menschen einsetzen zu können.

 

Ketone hemmen also das NLPR3-Inflammason und auf diese Weise die Aktivitäten im Rahmen eines akuten Gicht-Anfalles. Bei „in vitro“-Versuchen an menschlichen Zellen konnte das Team vergleichbare Ergebnisse beobachten und dies macht die therapeutische Ketose als Alternative Therapieform bei Gicht sehr interessant und vor allem aber sehr nützlich.

 

 

 

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