Ketose und Krebs: Die Büchse der Pandora

Anmerkung zu diesem Artikel:

Die Reaktionen auf diesen Artikel ließen nicht lange auf sich warten und ja,

mir war bewusst, dass ich nicht nur auf Befürworter stoßen würde. Warum

also dieser Artikel und warum diese "Stellungnahme"?

 

Nun, ich habe in der Vergangenheit immer wieder Emails von Leser erhalten,

die mehr über das Thema Ketose und Krebs wissen wollten, oder mir sogar

mitteilten, dass sie sich gerade an der "Ketogenen" versuchen, weil eine bösartige Tumorerkrankung diagnostiziert wurde. Bisweilen hüllte ich mich in Schweigen,

denn hier kollidiert meine Wertvorstellung mit der realen Welt.

 

Ich für meinen Teil gehe nicht davon aus, dass eine ketogene Ernährung bei keiner Krebserkrankung grundsätzlich in Frage kommt. Nein, ich denke, dass es bestimmte Krebsformen gibt, die sich positiv durch diese Ernährungsweise beeinflussen ließen. Eine pauschalisierte Aussage zu treffen und zu behaupten, dass die therapeutische Ketose "das" Heilmittel schlechthin ist, ist höchst unseriös und Scharlatanerie.

 

Betroffene Menschen bedürfen einer individuellen, maßgeschneiderten Ernährung und der therapeutischen Ketose sind Grenzen gesetzt. Ein weiteres Problem das ich habe, ist meine persönliche Einstellung zur Zytostatika-Therapie ("Chemo") und zur Bestrahlung. Ich würde mich niemals dafür entscheiden, wenn ich vor dieser Entscheidung stehen würde. Ich bin aber auch keine Mutter, die ihr Kind verlieren wird, wenn sie nicht handelt. Was nun soll ich also diesen Menschen sagen, die selbst betroffen sind und unbeantwortete Fragen an mich richten? Erkennt ihr nun den Konflikt indem ich stecke? Die therapeutische Ketose kann für den ein oder anderen als sinnvoller Therapieansatz in Frage kommen, ich distanziere mich aber ganz klar von jenen Menschen die behaupten, die Ketose könne alles und die Ketose würde den Krebs aushungern oder gar heilen.

 

 

Mir ist durchaus bewusst, dass es Menschen gibt, die sich trotz einer (oder gerade deswegen) malignen, also bösartigen Erkrankung, ketoplastisch ernähren. Ich kann auch verstehen, warum Betroffene mitunter auch diesen Weg gehen. Ich bin aber nicht nur überzeugter Ketarier, sondern an 7 Tagen in der Woche und an 24 h Stunden pro Tag auch Pflegekraft aus Überzeugung und ich sehe es als meine absolute Berufung, Leiden zu lindern, Gesundheit zu fördern und diese auch zu erhalten. So begleite ich Tag für Tag Menschen auf ihrem beschwerlichen Weg und nicht selten ist dieser Weg mit Leid, Schmerz, Kummer, aber auch Hoffnung gepflastert. Doch gibt es eine Sache, die mir sehr am Herzen liegt und ich es absolut nicht verstehe, wenn Menschen falsche Versprechungen gemacht werden und im schlimmsten Falle sogar Kapital daraus geschlagen wird. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auszug aus "Das Handbuch der ketogenen Ernährung":

 

Die ketogene Ernährung im Zusammenhang mit malignen Erkrankungen

 

Mit dem Thema ketogene Ernährung und malignen Erkrankungen habe ich mir ehrlich gesagt bis zuletzt sehr schwer getan und ich möchte auch erläutern, warum es mir derartiges Kopfzerbrechen bereitet hat. Die Diagnose "Krebs" verändert fast immer das gesamte Leben und ob man nun selbst betroffen, Angehöriger oder Freund ist – in allen Phasen der Erkrankung benötigen Betroffene und Angehörige eine professionelle Begleitung.

 

Maligne Erkrankungen sind schwerwiegende Krankheitsbilder, die fortschreitend destruktiv wirken und oftmals zum Tod des Patienten führen. Als Angehöriger eines Pflegeberufs weiß ich durchaus, welchem Martyrium sowohl die Patienten selbst, als auch die betroffenen Angehörigen ausgesetzt sind. Bei den malignen Erkrankungen handelt es sich auch oftmals um bösartige tumoröse Erkrankungen, die wenn überhaupt nur noch bedingt durch eine entsprechende Therapie beeinflusst werden können. Jede Struktur unseres Organismus kann dabei befallen sein.

 

Unabhängig davon, um welche Krebsart es sich dabei handelt, so haben sie dennoch eines gemeinsam: Zum einen lässt sich stets ein infiltrierendes Wachstum beobachten und sie verdrängen und zerstören dabei die kleinsten Einheiten unseres Körpers, nämlich die Zellen. Weiter greifen sie dann auf benachbartes Gewebe über, befallen Organe und ganze Organsysteme. Wenn wir das Krebsgeschehen begreifen möchten, dann müssen wir auch Verstehen, was überhaupt geschieht, wenn sich Zellen maligne (bösartig) verändern.

 

Unser gesamter Organismus besteht aus vielen differenzierten Zelltypen. In der Regel teilen sich diese Zellen nur dann, wenn es für unseren Körper notwendig ist. Die Zellregeneration ist dabei maßgeblich für die Gesunderhaltung und sie unterliegt bestimmten strengen Regulationsmechanismen. Erfolgt jedoch eine derartige Zellteilung unkontrolliert und es wird überhaupt keine neue Zelle benötigt, so kommt es zu einer überschießenden Neubildung von Gewebe und dieser Überschuss bildet dann eine Geschwulst, die man als Tumor (Neoplasie) bezeichnet.

 

Nun gibt es zwei Möglichkeiten für das neu entstandene Gewebe. Entweder, es ist nicht schädlich und somit benigne (gutartig) oder – und das ist eben jener Umstand, vor dem wir uns alle fürchten, das neu entstandene überschüssige Gewebe ist maligne, also bösartig. Und nun unterscheidet man in der Medizin: benigne Tumore gehören nicht zu den Krebserkrankungen, denn nur selten sind sie lebensbedrohlich, oftmals können sie auch problemlos entfernt werden und charakteristisch für diese Formen ist die Tatsache, dass sie eben nicht streuen und in benachbarte Strukturen einbrechen.

 

Maligne Tumore hingegen zählen zu den Krebserkrankungen und allgemein lässt sich sagen, dass sie deutlich schwerwiegender sind als benigne Veränderungen, sie brechen dabei in umliegendes Gewebe ein und sie streuen – es kommt zur Metastasenbildung. Das Fatale an den Krebszellen ist das unkontrollierte, ungehemmte Wachstum der Krebszellen – sie teilen sich nach Belieben und dabei können sich Krebszellen aus dem primären Tumor herauslösen, in den Blutstrom und in das Lymphsystem übergehen bzw. eindringen. Und dann kann sich der bösartige Tumor im gesamten Körper ausbreiten.

 

Das Wort Tumor stand ursprünglich für die Bezeichnung einer Schwellung (Kardinalsymptome einer Entzündung: Rubor, Tumor, Dolor, Calor & Functio laesa/Rötung, Schwellung, Schmerz, Wärmeentwicklung, eingeschränkte Funktion). Im engeren Sinne versteht man unter dem Begriff Tumor eine Gewebemasse, die sich unkontrolliert vermehrt und autonom verhält.

Als Synonym wird oftmals auch die Bezeichnung Neoplasie verwendet. Bösartige epitheliale Tumore werden als Karzinome bezeichnet, gehen sie hingegen von Mesenchymgewebe aus, so benennt man sie in der Medizin als Sarkome.

 

Für die Kanzerogenese, also der Prozess einer Krebsentstehung, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein:

 

–    Mutationen im Genom einzelner somatischer Zellen

–    es muss ein Verlust der sogenannten Zellzykluskontrolle vorliegen

–    die Immunabwehr muss überwunden werden

–    Multi-Drug-Resistance-Protein MDR

–    lokale Stoffwechsel-Umstellung

 

Die Ernährung spielt deshalb eine sehr große Rolle, da die Erkrankung den Betroffenen regelrecht die Nährstoffe entzieht, sie verhungern praktisch an der langen Hand und es kommt allzu oft zu einem massiven Gewichtsverlust. Erschwerenderweise fehlt den Patienten während einer Behandlung oftmals der notwendige Appetit neben den schwerwiegenden Nebenwirkungen, die beispielsweise die Bestrahlung oder eine "Chemo-Therapie" (Zytostatika-Therapie) mit sich bringt. Auch das Geschmacksempfinden kann erheblich gestört sein, was erschwerend hinzukommt. Nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand gilt, dass der Verzehr von gesättigten Fettsäuren (und nichts anderes sind tierische Fette) sich äußerst ungünstig auf den Krankheitsverlauf auswirken kann.

Bereits an dieser Stelle kollidiert die ketogene Ernährung mit der aktuell geltenden Empfehlung bei bösartigen Erkrankungen, denn ein Grundpfeiler der ketogenen Ernährung ist nun einmal u.a. das tierische Fett.

 

Ich finde es fahrlässig zu behaupten, man könne einer malignen Erkrankung durch eine ketogene Ernährung sozusagen den Nährboden entziehen, indem man auf Kohlenhydrate verzichtet. Glauben Sie mir, ich wünschte es wäre derart einfach, eine solche Aussage zu treffen. Doch leider ist dem nicht so und die ganze Sache gestaltet sich in der Realität äußerst komplex und schwieriger, als es zunächst den Anschein macht.

 

Der Hype um "Krebszellen lieben Zucker – Patienten brauchen Fett" ist mir nicht entgangen. Es steht außer Frage, dass sich der Verlauf einer malignen Erkrankung durch die Ernährung grundsätzlich beeinflussen lässt. Sowohl das Netz als auch der gesamte Büchermarkt wimmeln nur so von vermeintlichen Diät-Konzepten gegen maligne Erkrankungen. Wer behauptet oder verspricht, man könne durch die "richtige" Ernährung Krebs heilen, der handelt in höchstem Maße unseriös und ich verurteile dies als Scharlatanerie, denn all diese Pseudoweisheiten können für Betroffene gefährliche Folgen nach sich ziehen.

 

 

Aktuell gibt es keine einzige seriöse Studie, die den positiven Einfluss der ketogenen Ernährung im Rahmen einer malignen Tumorerkrankung wissenschaftlich bestätigen kann. Es gibt sogar ganz im Gegenteil tierexperimentelle Untersuchungen, die sogar eine schädliche Wirkung durch eine Restriktion der Kohlenhydrate vermuten lassen. Bei Tumormäusen konnte man zwar zunächst einen verzögerten Wachstum der Zellen beobachten, im Anschluss daran kam es jedoch sogar zu einer Akzeleration (Beschleunigung) des Wachstums. Hinter diesem Phänomen vermutet man eine Art Resistenzbildung.

 

In einer Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Prävention und Integrative Onkologie (PriO) in der Deutschen Krebsgesellschaft wird hierzu eindeutig Position bezogen:

 

1.      Zum jetzigen Zeitpunkt liegt keine wissenschaftliche Untersuchung vor, die belegt, dass eine derartige Kostform Wachstum und Metastasierung eines Tumors beim Menschen verhindern bzw. zurückdrängen kann.

 

2.      Zum jetzigen Zeitpunkt liegt auch keine wissenschaftliche Untersuchung vor, die beweist, dass eine derartige Kostform die Wirksamkeit einer Chemo- und/oder Strahlentherapie verbessert.

 

3.      Zum jetzigen Zeitpunkt liegt des Weiteren keine wissenschaftliche Untersuchung vor, die beweist, dass die Verträglichkeit einer Chemotherapie beim Menschen durch diese Kostform verbessert wird.

 

4.       Zum aktuellen Zeitpunkt kann somit eine allgemeine Empfehlung zu einer kohlenhydratarmen oder aber auch einer ketogenen Ernährungsweise für diese Art von Erkrankungen nicht empfohlen werden. Die Beurteilung der gesamten Situation zu diesem Thema beruht auf einer systematischen Literaturrecherche im Juni 2014 laut der Experten der Arbeitsgemeinschaft PriO.

 

Es gibt allerdings Hinweise, dass eine erhöhte Lipidzufuhr durchaus einen positiven Einfluss bei Patienten mit einer Tumorkachexie haben könnte, allerdings ohne eine Restriktion von Kohlenhydraten.

 

Als Begründung für die ketogene Ernährung im Rahmen einer malignen Erkrankung wird oftmals angeführt, dass der Metabolismus von tumorösen Zellen von Kohlenhydraten abhängig sei. Dies ist durchaus richtig – allerdings lieben Krebszellen nicht nur Zucker, sondern auch Fett und tierisches Protein.

 

Der hohe Anteil an Protein im Rahmen einer ketogenen Ernährung kann zum einen den Metabolismus belasten und hat durchaus eine insulinogene Wirkung – genutzt wird dieses Protein aber auch als Energieträger und noch viel schlimmer, als Baustoff für Krebszellen. Wer sich mit dem Thema eingehend beschäftigen möchte, kann sich gerne den Artikel aus der Deutschen Zeitschrift für Onkologie 2012; 44: 109-118 von Jacob LM und Weis N. "Krebszellen mögen Zucker, aber noch mehr lieben sie Fett und tierisches Eiweiß" zu Gemüte führen.

 

Studien lassen aktuell vermuten, dass gesättigte, hoch ungesättigte und mittelkettige Fettsäuren im Rahmen einer Krebserkrankung günstiger sind, als die mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Welche Rolle einfach ungesättigten Fettsäuren zu Teil wird, ist noch unklar einzustufen.

 

Ich möchte noch einmal darauf aufmerksam machen, dass es nach dem heutigen Stand der Krebsforschung keine Ernährungsform gibt, mit der sich sich eine Krebserkrankung gezielt heilen ließe. Und trotz dieser Tatsache gibt es "Anbieter", die den Eindruck vermitteln möchten, dass genau dies doch möglich sei.

 

Mir wäre es deutlich wohler, wenn es wenigstens den eindeutigen Beleg dafür gäbe, dass diese Diäten im Rahmen einer malignen Erkrankung wenigstens nicht schaden, doch genau  dies scheint aktuell leider nicht der Fall zu sein und man muss die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass diese Diäten tatsächlich eher schaden als helfen.

 

Ob nun Breuß mit seiner "Krebskur total", Budwig mit der "ÖL-Eiweiß-Kost" oder die sogenannte "Moermann-Diät" – all diese Empfehlungen sind äußerst fragwürdig und ich möchte auch niemandem etwas unterstellen, aber leider wird oftmals unter dem Deckmantel einer derartigen Empfehlung Kapital heraus geschlagen und dies auf Kosten jener Menschen, deren Tage gezählt sind.

 

Jede Form von Krebs benötigt eine maßgeschneiderte Ernährung für den betroffenen Menschen und es lässt sich pauschal keine Ernährungsempfehlung aussprechen, viel mehr ist es notwendig, gemeinsam mit den Therapeuten eine maßgeschneiderte Zusammenstellung der Makronährstoffe individuell und fallbezogen zu ermitteln. Deshalb kann eine pauschalisierte Diät-Empfehlung keineswegs ernst genommen werden und eine derartige Empfehlung ist – und ich bleibe bei dieser Meinung – im höchsten Maße unseriös und Scharlatanerie.

 

Wir haben auf etlichen Seiten bereits über die Vorteile einer ketogenen Ernährungsform gelesen. Im Zusammenhang mit einer bösartigen Krebserkrankung lässt sich jedoch kein einziger Vorteil durch eine derartige Ernährungsweise aufzeigen – eher das Gegenteil wird wohl der Fall sein und deshalb möchte ich Sie dafür sensibilisieren, nicht auf solche Versprechen hereinzufallen. Die ketogene Ernährung ist als therapeutische Maßnahme bei bösartigen Krebserkrankungen nicht geeignet. Empfehlungen für eine sinnvolle Ernährung bei einer Krebserkrankung erteilen nach wie vor Ärzte, Pflegepersonal und Diätassistenten.

 

 

Weiterführende Informationen, Hilfe und Unterstützung finden Sie hier:

 

www.krebshilfe.de

www.krebsgesellschaft.de

www.krebs-bei-kindern.de

www.elterninitiative-kinderkrebs.de

www.kopf-hals-mund-krebs.de

www.lymphome.de

www.infonetz-krebs.de

www.krebsdaten.de

 

 

 

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