Anatomie & Physiologie: Das Gefäßsystem

Als Gefäßsystem bezeichnet man die Summe aller im Organismus befindlichen Blut- und Lymphgefäße. Im täglichen Sprachgebrauch verwendet man den Begriff jedoch häufig als einzige Bezeichnung für das Blutgefäßsystem.

 

 

 

Das Blutgefäß

 

Blutgefäße sind im Grunde nichts anderes als Hohlorgane, die den Transport des Blutes regeln und ermöglichen. Blutgefäße bilden anatomisch gesehen die Grundlage für den Blutkreislauf im gesamten Organismus und es dient nicht nur der Sauerstoff-, sondern auch der Nährstoffversorgung.

 

Systemisch unterteilt man folgende Blutgefäße:

 

-          Arterien

-          Arteriolen

-          Kapillare

-          Venolen

-          Venen

 

Abbildung: (1) Arteriole (2) Venole und einmündendes Kapillargefäß (3)

By J. Heuser JHeuser [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

 

Je nach Literatur werden Aorta und Vena cava auch gesondert aufgeführt, dies hängt mit der anatomischen Besonderheit zusammen.

 

Anatomie | Blutgefäße

 

Die Gefäßwände des Blutsystems besteht im Grunde stets aus den folgenden Schichten (zumindest solange es sich nicht um die kleinsten Gefäßeinheiten handelt):

 

-          Tunica intima (Intima)

-          Tunica media (Media)

-          Tunica externa (Adventitia)

 

 Abbildung: By J. Heuser JHeuser [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

 

 

Intima

 

Die Intima besteht aus einer einfachen Lage Endothelzellen. Als Endothelzellen bezeichnet man dünne Zellschichten, die die Lumen von Blutgefäßen auskleiden. Die Intima ist in der Lage, Gas, Flüssigkeit- und andere Stoffe zwischen Blut und umliegenden Gewebe auszutauschen.

 

Media

 

Abhängig vom Gefäßtypus, besteht die Media aus einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Muskelschicht aus glatter Muskulatur und bzw. oder aber aus elastischem Bindegewebe. Die herznahen Arterien sind eher elastisch, dies hat mit der Windkesselfunktion des Herzens zu tun, die distalen Arterien hingegen sind eher vom muskulären Typus.

 

Adventitia

 

Diese Schicht umgibt das Blutgefäß nach außen hin und bei größeren Gefäßen mit einer relativ dicken Gefäßwand führt die Adventitia unter Umständen kleinere Ernährungsgefäße, diese bezeichnet man als Vasa vasorum.

 

 

Eine Eigenschaft dieser Gefäße ist es, durch Kontraktion oder Erschlaffung den Blutstrom zu verändern. Insbesondere trifft dieser Umstand auf die Arterien zu, teilweise auch auf die Venensysteme. Die Regulation dieser Fähigkeit obliegt dem vegetativen Nervensystem und es können folgende gegensätzliche, also antagonistische Vorgänge ausgelöst werden (unwillkürlich):

 

-          Vasodilatation (Erweiterung der Gefäße)

-          Vasokonstriktion (Gefäßverengung)

 

Die Fähigkeit zur Vasodilatation und Vasokonstriktion erlaubt es unserem Organismus, die Verteilung des Blutvolumens zu steuern. Über den gleichen Mechanismus kann aber auch eine verbesserte Sauerstoffversorgung oder eine adaptierte Thermoregulation erreicht werden.

Der physiologische Blutdruck innerhalb der Gefäßsysteme liegt im arteriellen Gefäßsystem zwischen 80 und 120 mmHg, im venösen Gefäßsystem (hier spricht man auch vom zentralen Venendruck) bei maximal 10 mmHg.

 

Der Puls

 

Der Puls ist das Produkt der mechanischen und rhythmischen Dilatation und Kontraktion der Gefäßwände, dieser entsteht bedingt durch die Herztätigkeit und jeder Herzaktion folgt eine durch das Herzen ausgelöste Druckwelle, diese spür- und messbare Druckwelle bezeichnet man als Puls (Pulsus). Dabei handelt es sich um die Druckwelle, die innerhalb des arteriellen Gefäßsystems spürbar ist.

 

Zwar gibt es auch einen messbaren Puls im venösen Gefäßsystem, allerdings ist dieser Druck wesentlich schwächer als jener im Arteriensystem. Klinisch besitzt der venöse Puls allerdings so gut wie keine Relevanz. Der Puls ist im Grund ein äußerst triviales, physiologisches Ereignis, allerdings lässt dieser auch enorme Rückschlüsse zu und so ist dieser im Sinne der Beobachtung und Wahrnehmung im Krankheitsgeschehen nicht zu unterschätzen. Der Puls gibt Aufschluss über:

 

- Herzfrequenz HF

- Herzrhythmus HR

- Blutdruck RR

- Füllungsvolumen der Gefäße

- systolische Druckanstiegsgeschwindigkeit

 

Unterteilung des Pulses erfolgt nach:

 

- Ruhepuls (in körperlicher Ruhe ohne Aktivität, dieser liegt i.d.R. bei 60-80 bpm)

- Trainingspuls

- Maximalpuls

 

Ferner wird unterschieden in:

 

- Arterienpuls

- Venenpuls

- Kapillarpuls

 

Messung des Pulses

 

Die Messung des Pulses erfolgt entweder manuell oder elektronisch. Wann immer ein punktuell genauer Puls ermittelt werden muss, sollte stets manuell gemessen werden. Elektronische Geräte liefern in nicht wenigen Fällen bisweilen ungenaue Messwerte, die von der tatsächlichen Frequenz abweichen können.

 

Manuelle Messung

 

Der Pulsus wird immer dort ertastet, wo eine Arterie dicht unter der Haut vermutet wird bzw. verläuft und dabei gegen eine feste Unterlage (hier der Knochen) gedrückt werden kann. Für die Pulspalpation eignet sich eine Kombination aus Zeige- und Mittelfinger – der Daumen eignet sich nie für eine Pulspalpation und darf nicht verwendet werden, da der eigene Puls das Messergebnis verfälschen kann. Der Puls lässt sich klinisch nach den folgenden Kriterien beurteilen:

 

- Pulsfrequenz (bpm)

- Pulsqualität (weich, hart)

- Pulsrhythmus (rhythmisch in einer spezifischen zeitlichen Abfolge oder arrhythmisch)

 

Immer dann, wenn kein Puls ertastet werden kann, spricht man von einem Pulsverlust. Ein tatsächlicher Pulsverlust bedeutet, dass sich das Kreislaufsystem des Betroffenen „zentralisiert“ hat. In der Regel ist dann ein Puls an den herznahen Arterien noch messbar. Ein zentralisierter Körper stellt immer eine gravierende Notfallsituation dar – es kann ein Kreislaufstillstand vorliegen (Notfallmaßnahmen einleiten!).

 

Die Orte der Pulsmessung

 

- Schläfe - Arteria temporalis (Schläfenpuls)

- Hals - Arteria carotis (Carotispuls)/Arteria subclavia (Subclaviapuls)

- Achselhöhle - Arteria axillaris (Axillarispuls)

- Ellenbogen - Arteria brachialis (Brachialispuls)

- Handgelenk - Arteria radialis (Radialispuls)

- Foveola radialis - Arteria radialis

- Leiste - Arteria femoralis (Femoralispuls)

- Kniekehle - Arteria poplitea (Popliteapuls)

- Knöchel - Arteria tibialis posterior

- Fußrücken - Arteria dorsalis pedis (Fußpuls)

 

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Vorschau für die kommenden Tage:

In meinem nächsten Artikel werde ich das Thema "Die Schmerzentstehung"

abhandeln und die damit verbundene (sogenannte) "Nozizeption".

 

 

 

 

 

 

 

 

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