Ketogene Ernährung und die arterielle Hypertonie

Ketogene Ernährung und die arterielle Hypertonie

 

Am 17.Mai war der Welt-Hypertonie-Tag und die korrekte und regelmäßige Messung des arteriellen Blutdruckes ist für viele Menschen in Deutschland fast schon ritualartig ein fester Bestandteil ihres täglichen Lebens, denn sie leiden an einer arteriellen Hypertonie („Bluthochdruck“).

 

 

 

-          aktuell leiden bis zu 30 Millionen Menschen in Deutschland an einer arteriellen Hypertonie

 

-          jeder dritte Bürger ist davon betroffen

 

-          lediglich 4 von 5 Betroffenen wissen um ihre Erkrankung und befinden sich auch in ärztlicher Behandlung

 

-          von den wissenden Betroffenen lassen sich etwa 88% von ihrem Arzt behandeln

 

-          ¾ der behandelten Personen erreichen unter einer konventionellen Therapie mit Antihypertensiva Werte unterhalb des Grenzwertes von >120/80 mmHG

 

-          schätzungsweise mehrere hunderttausend Kinder (!) leiden bereits heute an einer arteriellen Hypertonie, zum aktuellen Zeitpunkt existiert in der EU keine einheitliche Definition ab wann man beim Kind von einer arteriellen Hypertonie sprechen kann, allerdings gibt es hunderttausend (dokumentierte) pathologische Fälle

 

-          die wichtigsten Gegenmaßnahmen (bereits im frühen Kindesalter), um sich vor einer arteriellen Hypertonie zu schützen sind ein gesunder Lebensstil, körperliche Aktivität und ein physiologisches Normalgewicht

 

Quellen: Epidemiologisches Bulletin 5/2015 des Robert-Koch-Institut, Berlin | hochdruckliga.de

 

Definition „arterielle Hypertonie“

 

Es gibt derzeit durch die WHO international festgelegte Kriterien zur Einschätzung einer arteriellen Hypertonie und diese besagt, dass eine arterielle Hypertonie dann vorliegt, wenn dauerhaft und situationsunabhängig (also unabhängig von der physischen Belastung) ein systolischer Blutdruck höher als 140 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck größer als 90 mmHg vorliegt. Als grenzwertig gilt aktuell ein systolischer Blutdruck von mehr als 120 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck höher als 80 mmHg.

 

 

 

 

Einteilung der arteriellen Hypertonie

 

Die arterielle Hypertonie lässt sich in sehr viele diverse Aspekte einteilen, deshalb möchte ich an dieser Stelle lediglich einen Überblick über die wichtigste Einteilung erläutern. Man unterscheidet demnach folgende Formen der arteriellen Hypertonie:

 

-          primäre arterielle Hypertonie

-          sekundäre arterielle Hypertonie

 

Eine primäre Hypertonie liegt immer dann vor, wenn die Erkrankung ohne erkennbare Ursache entsteht, also idiopathisch. Diese Form bezeichnet man auch als essentielle Hypertonie. Sie stellt den größten Anteil aller Hypertonie-Erkrankungen dar mit etwa 85% bei Erwachsenen.

 

Die sekundäre Hypertonie ist eine Form des Bluthochdruckes, die als Folge einer anderen körperlichen Erkrankung heraus entsteht. Die sekundäre Hypertonien machen nur einen geringen Anteil aller Fälle mit etwa 15% aus. Mögliche Ursachen für eine sekundäre Hypertonie können u.a. sein:

 

-          Nierenerkrankungen (Renale Hypertonie)

-          Hyperthyreose

-          Akromegalie

-          Cushing-Syndrom

-          Gefäßerkrankungen wie Stenosen oder Vaskulitis

-          Tumoren (Renin produzierende Nieren Tumoren beispielsweise)

-          chronisches Schmerzgeschehen

-          Medikamente

-          etc.

 

Vorübergehend können arterielle Hypertonien auch durch einen Abusus (Missbrauch) von Medikamenten, Dorgen und Giften entstehen.

 

 

 

Die European Society of Hypertension ESH unterteilt den Schweregrad der arteriellen Hypertonie wie folgt:

 

Grad I                   140-159 mmHg                90-99 mmHg

Grad II                  160-179 mmHg                100-109 mmHg

Grad III                 ab 180 mmHg                    ab 110 mmHg

 

Warum die arterielle Hypertonie ein großes Problem ist

 

Nun möchte man fast schon meinen, dass eine arterielle Hypertonie kein allzu großes Problem für unseren Organismus darstellt und im schlimmsten Falle, greift man zu ein Paar Pillen und dann hat sich die Sache. Weit gefehlt, denn tatsächlich ist ein dauerhaft erhöhter Gefäßdruck für unsere Gesundheit ein enormes Problem. Die Hypertonie führt zu Organschäden, dabei können alle Strukturen betroffen sein und so reicht die Palette von Schädigungen an den Augen, über Herz bis hin zu den Nieren. Die Schäden, die dadurch entstehen, sind irreversibel.

 

Pathophysiologische Prozesse

 

Die pathophysiologischen Prozesse der essenziellen Hypertonie sind tatsächlich so komplex, dass ihr Entstehungsmechanismus bis zum heutigen Tage noch nicht vollständig aufgeklärt werden konnte. Da der arterielle Blutdruck von vielen Faktoren beeinflusst wird, ist es schwer, die Prozesse im Detail und genau aufzuschlüsseln. Allerdings gibt es einige Faktoren, von denen man definitiv weiß, dass sie zu pathologischen Veränderungen führen können. Diese Faktoren sind u.a.:

 

-          das zirkulierende Blutvolumen

-          die Viskosität des Blutes und somit seine Zusammensetzung

-          das Herzzeitvolumen HZV

-          die Elastizität der Gefäße

-          die Beschaffenheit der Gefäße im Querschnitt

-          die hormonelle Situation (z.B. Renin-Haushalt)

-          und die neuronale Stimulation des Gefäßtonus etc.

 

Wie man hier unschwer erkennen kann, handelt es sich also um ein komplexes, multifaktorielles Ereignis.

 

Risikofaktoren

 

-          genetische Prädisposition und hereditäre Faktoren

-          Nikotinabusus

-          Übergewicht, Adipositas

-          Bewegungsmangel

-          Stress

-          Alkoholabusus

-          Malnutrition

 

Therapie

 

Die Therapie der arteriellen Hypertonie orientiert sich hierzulande allzu häufig leider lediglich an der medikamentösen Therapie. Dabei könnten so viele weitere Maßnahmen ergriffen werden, um der Hypertonie entgegenzuwirken. Medikamentös setzte man diverse Derivate ein, so zum Beispiel Betablocker, ACE-Hemmer, Diuretika oder AT1-Antagonisten.

 

Betarezeptorenblocker (Betablocker) wirken an den sogenannten Beta-Adrenozeptoren und sie verhindern die Wirkung des Stresshormons Adrenalin und des Neurotransmitters Noradrenalin kompetitiv. ACE-Hemmer sind Inhibitoren, also hemmende Substanzen, die das Angiotensin-konvertierende Enzym ACE beeinflussen, dieses ist maßgeblich an der Regulation des arteriellen Blutdruckes beteiligt. Diuretika greifen in den Wasserhaushalt des Körpers ein und führen zu einer verstärkten Diurese. Dabei kommt es zu einer Entlastung des Gefäßsystems durch das Austreiben von Flüssigkeit.

 

Die Kohlenhydratlast und der arterielle Blutdruck

 

Was mich persönlich immer wieder erstaunt, ist die Tatsache, wie vielen Medizinern (aber auch Pflegekräften) ich in meinem Praxisalltag begegne, die nicht wissen, welche Auswirkungen die Ernährung auf den arteriellen Blutdruck hat. In meinem Handbuch der ketogenen Ernährung habe ich bereits ausführlich darüber berichtet, doch möchte ich an dieser Stelle in Kurzform meine Aussagen dazu thematisieren.

 

Viele Menschen werden aufgrund einer sogenannten hypertensiven Krise stationär aufgenommen. Eine hypertensive Krise ist ein plötzlich auftretendes Ereignis, dabei handelt es sich um eine Entgleisung des arteriellen Blutdruckes und es ist sozusagen eine Fehlregulation im systemischen Kreislauf bei den Betroffenen aufgetreten. Eine hypertensive Krise kann lebensbedrohlich werden, wenn diese nicht behandelt wird. Dabei wird nicht selten ein Wert überschritten, der eine medizinische Notfallindikation darstellt (Werte von mehr als 180/120 mmHg). Es kommt im Rahmen der Entgleisungen zu allerlei Symptomen und häufig liegt die Ursache im Fehlverhalten des Patienten, so ist eine der häufigsten Ursache eine falsch oder nicht eingenommene Medikation von Antihypertensiva. Nicht immer lässt sich die Entgleisung medikamentöse sofort behandeln, es gibt sogar Fälle, die lange Zeit fast schon resistent auf die Medikamente reagieren und man Tage braucht, um den Blutdruck in einen akzeptablen Bereich zu bringen.

 

Es erstaunt mich, dass von Seiten der Pflege niemals die Ernährung angesprochen wird. Es erstaunt mich jedoch umso mehr, dass auch Mediziner den Aspekt der Ernährung nicht aufgreifen. Warum? Ich finde, dass sowohl Mediziner als auch die Pflege jenen Ernährungsaspekt aufgreifen müssen. Der Patient sollte darüber aufgeklärt werden, in welcher Weise seine Nahrung Einfluss auf das Kreislaufgeschehen nimmt. Ich bin der Meinung, dass eine der ersten pflegerischen und nichtmedikamentösen Maßnahmen eine angemessene Umstellung der Ernährung sein sollte. Runter mit den Kohlenhydraten und wenn Kohlenhydrate, dann bitte „Gesunde“ in Form von hochwertigem Gemüse und ballaststoffreicher Kost. Es ist erstaunlich, welchen Einfluss an dieser Stelle die ketogene Ernährung einnimmt. Ich kenne zig Fälle, die ich in den letzten 24 Monaten (und mehr) begleiten durfte, bei denen sich eine Restriktion der Kohlenhydrate innerhalb von wenigen Wochen am arteriellen Blutdruck bemerkbar machte. Tatsächlich ist es so, dass sich die ketogene Ernährung ohne Umwege innerhalb kürzester Zeit auf den arteriellen Blutdruck auswirkt und diesen, nach unten hin und somit physiologisch verschiebt.

 

Dabei gilt die Faustformel nach wie vor: Je höher die ernährungsbedingte Kohlenhydrat-Last, desto höher der arterielle Blutdruck. Heute bin ich davon überzeugt, dass dies einer der wohl wichtigsten Gründe ist, sich ketoplastisch zu ernähren. Auch dann, wenn dies lediglich zeitlich begrenzt ist, zum Beispiel im Rahmen einer hypertensiven Krise, die nicht selten über Tage fortbestehen bleibt.

 

Warum wirken sich aber Kohlenhydrate auf den Blutdruck aus?

 

Es ist bekannt, dass zu viele Kohlenhydrate und insbesondere jene, aus verarbeiteten Lebensmitteln und in Form von Zucker, dafür sorgen, dass der Blutzuckerspiegel steigt und das Ausbilden einer Insulinresistenz zumindest auf Dauer fördern. Diese Kombination aus hohem Blutzuckerspiegel und einer Insulinresistenz fördern eine Hypertension und somit einen erhöhten Blutdruck. Die arterielle Hypertonie ist sehr häufig die Folge eines ungesunden Lebensstils.  Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte führen dazu, dass sich die Glukose bei erhöhten Konzentrationen an Gewebsproteine bindet. Dies kann praktisch überall im Organismus geschehen, unabhängig davon, um welche Gewebeart es sich handelt. Über den Glukations-Prozess hatte ich bereits in einem anderen Artikel berichtet. In Verbindung mit erhöhten Insulinspiegeln führt der hohe Blutzuckergehalt zu Veränderungen an der Innenauskleidung der Blutgefäße und auf diese Weise wird eine Verhärtung der Arterien (Arteriosklerose) gefördert. Eine mangelnde Flexibilität der Blutgefäße führt unweigerlich zu einer Erhöhung des Druckes. Für das Herz und seine Koronargefäße bedeutet dies jedoch auf Dauer ein erheblich gestiegenes Infarktrisiko.

 

Die offiziellen Empfehlungen für Kohlenhydrate sind der Hauptgrund für Hypertonie, Apoplex und Myokardinfarkt

 

Ja, ich lehne mich jetzt sehr weit aus meinem ketoplastischen Fenster hinaus und doch bin ich nach wie vor der Meinung, dass die DGE in den letzten Jahrzehnten einen fatalen Kurs verfolgte. Eigentlich müsste man sich zusammentun und nach amerikanischen Vorbild auf Bundesebene gegen die Deutsche Gesellschaft für Ernährung klagen. Seit Jahren wurden die Empfehlungen für Kohlenhydrate nicht korrigiert, im Gegenteil, in der Ernährungspyramide wurden Fette fast gänzlich verdrängt zugunsten von noch mehr Carbs und es wurde eine Politik gefahren, die zum Himmel schreit. Fette sind schlecht, Kohlenhydrate sind gut für uns und wir brauchen davon so viel, wie man davon nur in sich hineinstopfen kann. Ein fataler Kurs, den nicht wenige Menschen bereits mit ihrem Leben bezahlen mussten. Eine arterielle Hypertonie kann durchaus nahrungsinduziert sein, das ist schon längst kein Geheimnis mehr und es trifft mich persönlich umso mehr, wenn bereits Kinder mit den Folgen dieser Erkrankung ankämpfen müssen. Die arterielle Hypertonie ist keine Bagatell-Erkrankung. Sie begünstigt die Entstehung von anderen Folgeerkrankungen und sie führt zu irreversiblen Schäden. Was wir in Deutschland benötigen ist ein Umdenken neben einer angemessenen und vor allem korrekten Aufklärung.

 

Quellen:

Das Handbuch der ketogenen Ernährung, Fabrizio P. Calderaro, ISBN 978-3960500711

I care Anatomie, Physiologie, Krankheitslehre und Pflege Stuttgart 2015, Thieme

Arbeitsbuch Anatomie und Physiologie Erica Jecklin München 2016, Elsevier

https://diepresse.com/home/leben/gesundheit/536266/Weniger-Kohlenhydrate-senken-den-Blutdruck-

www.keto-gen.de | https://health.usnews.com/ | http://www.drsears.com/ |

https://www1.wdr.de/verbraucher/gesundheit/blutdruck-senken-102.html

https://www.paleo360.de/gesundheit/blutdruck-natuerlich-senken-lebensmittel/

https://diepresse.com/home/leben/gesundheit/536266/Weniger-Kohlenhydrate-senken-den-Blutdruck-

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/bluthochdruck.html

 

 

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