Anatomie & Physiologie: Der Ventriculus [Magen, Gaster]

Der Ventriculus (Gaster, Magen)

 

Als sackartige Erweiterung des Verdauungsrohres ist der Ventriculus (Gaster, Magen) dem Dünndarm zur Aufnahme von Nahrung vorgelagert. Die in der Mundhöhle begonnene Verdauung der Speisen wird in ihm fortgesetzt. Seine Form ist wechselnd und abhängig von der Körperlagerung und dem jeweiligen Füllstand.

 

Makroskopisch unterscheidet man am Ventriculus nacheinander folgende Abschnitte:

 

1.      Kardia (Magenmund)

2.      Fundus (Magengrund)

3.      Corpus (Magenkörper)

4.      Antrum pyloricum (Magenausgang)

5.      Pylorus (Magenpförtner)

 

Abbildung:

Makroskopischer Aufbau des Magens. (1) Korpus, (2) Fundus, (3) vordere Magenwand, (4) große Kurvatur, (5) kleine Kurvatur, (6) Kardia, (9) Sphincter pylori, (10) Antrum, (11) Canalis pyloricus, (12) Incisura angularis, (13) Magenrinne, (14) Schleimhautfalten (durch Fensterung)
By cancer.gov [Public domain], via Wikimedia Commons

 

 

Die kürzeste Verbindung zwischen Kardia und Pylorus entspricht der Curvatura minor (kleine Kurvatur), die längste Verbindung entspricht der Curvatura major (große Kurvatur). Die Angulusfalte stellt gerade bei der Gastroskopie eine wichtige Orientierungshilfe dar.

 

 

Der größte Teil des Ventriculus liegt im linken Oberbauch nahe der Wirbelsäule unter der linken Diaphragmakuppe und hinter dem linken Rippenbogen. Man unterscheidet beim Magen eine Angelhaken- und Stierhornform.

 

Neben dem Mageneingang liegt unter der linken Zwerchfellkuppe die Wölbung des Fundus (Magengrund). Sie enthält beim stehenden Menschen eine im Röntgen gut erkennbare Luftblase. Diese kommt dadurch zustande, da bei der Nahrungsaufnahme automatisch Luft mitgeschluckt wird und sich dann am höchsten Punkt im Ventrikulus sammelt.

 

Durch die umgebenden Organe wird der Ventriculus in erster Linie an seinem Platz gehalten. Sieht man davon ab, daß er am Ösophagus hängt, so ist dieser zusätzlich lediglich durch einige straffe, bänderartige Bindegewebszüge an der Unterseite der Leber und an der Unterseite des linken Zwerchfells befestigt.

 

 

Magenmuskulatur

 

Die Magenmuskulatur ist im Bereich des Fundus und des Corpus verhältnismäßig dünn und sie nimmt dann in Richtung Pylorus immer mehr an Dicke zu. An ihr lassen sich von außen nach innen 3 Schichten unterscheiden:

 

1.      Längsmuskelfsern

2.      Ringmuskelfasern

3.      schräg verlaufende Muskelfasern

 

Die Magenmuskulatur passt sich ständig seinem jeweiligen Füllungsstand an, durchmischt den Chymus mit dem Sekret der Magendrüsen und befördert dann den Chymus weiter zum Magenausgang. Als Chymus bezeichnet man den Speisebrei.

 

 

Magenbewegung und Entleerung

 

Bei einem leeren Magen ist die Magenmuskulatur sehr stark zusammengezogen und seine Innenwände liegen dann bis auf den Fundusbereich mit der Luftblase, dicht aneinander. Bei der Füllung des Magens dehnen sich die Wände aus. Dies geschieht durch eine reflektorische Erschlaffung der glatten Muskulatur und die durch den Füllungsdruck erfolgende Verlängerung der Muskelfasern. Die intensive Vermengung des Chymus geschieht durch die peristaltischen Kontraktionen, die als ringförmige Einschnürungen in Abständen von 10 bis 20 Sekunden in Richtung Pylorus wandern. Auch am leeren Magen laufen zeitweilig Kontraktionen ab, diese sind dann als Magenknurren zu hören.

 

Die Entleerung des Magens erfolgt portionsweise durch kräftige peristaltische Kontraktionen im Bereich des Antrums, wobei sich der Pylorus gleichzeitig öffnet. Die Magenentleerung ist nach dem Essen am stärksten.

 

Die Bewegung und Entleerung des Magens erfolgt reflektorisch über den Nervus vagus und sie wird durch vegetative, sympathische und parasympathische Nervengeflechte, die an der Wand des Magens liegen, gesteuert. Diese liegen als Meissner-Nervengeflecht in der Schleimhaut selbst und als Auerbach-Nervengeflecht zwischen den Muskelfasern.

 

Eine starke Füllung, hohe Fettkonzentration und saure Reaktion im Anfangsteil des Dünndarmes bewirken die Ausschüttung gastrointestinaler Hormone. Sie werden in der Dünndarmschleimhaut gebildet und gelang auf dem Blutweg zum Magen. Damit steht die Magenentleerung unter dem Einfluß eines hormonellens Rückkopplungsvorganges. Die Hemmung erfolgt vor allem durch die gastrointestinalen Hormone Sekretin und Cholezystokinin-Pankreomyzin.

 

Die Magenschleimhaut

 

Die Magenschleimhaut ist vor allem im leeren Zustand in Längsfalten gelegt, die besonders an der Curvatura minor kräftig ausgebildet sind. Deshalb bezeichnet man diesen Bereich des Magen auch als sogenannte Magenstraße. Es ist der kürzeste Weg zwischen Magenein- und -ausgang.

 

Bei einer mikrospkopischen Vergrößerung der Magenschleimhaut erkennt man, daß diese aus pflasterartigen Feldern besteht (Areae gastricae), sie haben einen Durchmesser von wenigen Millimeter. In diesen Areae gastricae befinden sich zahlreiche grübchenförmige Einsenkungen, die Drüsenvorräume sind zu erkennen (Foveolae gastricae). In den Einsenkungen befinden sich die Einmündungen der Magendrüsen.

 

 

Die Magenschleimhaut besteht aus einem einreihigen Zylinderepithel, das aus den Oberflächenzellen des Magens aufgebaut ist. Diese produzieren den alkalischen Magenschleim, der die Magenschleimhaut vor Autolyse/Autodigestion durch die Salzsäure des Magens schützt.

Ohne diesen alkalischen Schleim würde sich der Magen selbst verdauen (Autolyse, Autodigestion).

 

Im Bereich der Kardia und des Antrum bilden die Magendrüsen ebenso einen Schleim. Die den Magensaft produzierenden Drüsen sind die spezifischen Magendrüsen, man bezeichnet sie als Fundusdrüsen.

 

Diese Fundusdrüsen kommen jedoch nicht nur im Bereich des Fundus vor, sondern auch im Bereich des gesamten Magenkörpers. Die Fundusdrüsen enthalten 3 verschiedene Zellarten, die in Beleg-, Neben- und Hauptzellen unterteilt werden. Die Nebenzellen produzieren wie die Oberflächenzellen des Magens einen zähen Schleim, das Muzin (Schleimsubstanz).

 

Im Mittelteil, aber auch im Drüsengrund der Fundusdrüsen, kommen Belegzellen vor. Sie sind auf der Herstellung von Salzsäure spezialisiert und in der Tiefe der Tiefe der Drüsenschläuche liegen vorwiegend die Hauptzellen, die die proteinspaltenden Enzyme des Magensaftes herstellen.

 

Die Wand des Magens zeigt den gleichen Schichtaufbau, wie er auch sonst im gesamten Magen-Darm-Trakt zu finden ist. Die Blutversorgung des Magens erfolgt über die Bauchhöhlenschlagader (Truncus coeliacus) mit dem dazugehörigen Venengeflecht. Der venöse Rückstrom erfolgt über die Vena portae (Pfortader) der Leber. Die Lymphgefäße folgen meist dem Verlauf der Blutgefäße.

 

 

 

Magensaft und Intrinsic Faktor

 

Der Magensaft ist das Produkt der Magendrüsen. Beim Erwachsenen produzieren die Magendrüsen täglich bis zu 3 Liter Magensaft. Außer den proteinspaltenden Enzymen enthält er noch Kationen, Anionen, Schleim und den sogenannten Intrinsic-Faktor.  Der Intrinsic Faktor ist ein Glykoprotein, das mit dem aus der Nahrung aufgenommenen Cobalamin (Vitamin B12) einen Komplex bildet und dessen Aufnahme erst ermöglicht. Der Magensaft besteht vorwiegend aus einer Salzsäurelösung, die in ihrem osmotischen Druck fast dem Blut entspricht (1/3 osmolare Lösung).

 

Der Intrinsic-Faktor ist überlebenswichtig, das Vitamin B12 ist somit der extrinsic Faktor und wird in der Leber gespeichert und von dort aus an das Knochenmark abgegeben. Fehlt der Intrinsic-Faktor, so entwickelt sich eine schwere Störung bei der Produktion der roten Blutköperchen, die man perniziöse Anämie nennt.

 

Salzsäuresekretion

 

Die Salzsäure des Magens wird durch die Belegzellen der Fundusdrüsen des Magens gebildet. In ihrem Inneren enthalten die Belegzellen kleine Kanälchen, die mit der Lichtung der Magendrüsen in Verbindung stehen. Der entscheidende Vorgang der Salzsäuresekretion besteht in einem aktiven Transport von Wasserstoff- und Chlorionen in den Innenraum der Zellen gelegene Kanälchen. Über diese Kanälchen wird dann die Salzsäure in die Lichtung der Fundusdrüsen transportiert. Damit die Belegzellen selber nicht geschädigt werden, erfolgt die Wasserstoff-Ionenbildung erst an der Zellmembran unter Energiezufuhr durch die Oxidation organischer Verbindungen.

 

Die Salzsäure des Magens hat folgende für die Eiweißverdauung entscheidende Aufgaben:

 

–    Umwandlung der Enzymvorstufe Pepsinogen zum aktiven Pepsin

–    Erzeugung eines optimalen pH-Wertes für die Pepsinwirkung

–    Ausfällung und Quellung der Eiweißkörper in der Nahrung

 

Durch die Magensäure wird ebenfalls verhindert, daß sich im Magen Bakterien ausbreiten und vermehren können.

 

Pepsinproduktion

 

Die inaktive Vorstufe des eiweißspaltenden Enzyms Pepsin wird in den Hauptzellen der Fundusdrüsen in Form des Pepsinogens hergestellt. Gespeichert wird es in den Hauptzellen in Form von Bläschen. Es handelt sich dabei um ein Gemisch, das mindestens aus 7 verschiedenen Enzymvorstufen besteht. Von diesen Vorstufen werden, nachdem sie in den Magen freigesetzt wurden, durch die Salzsäure bestimmte Hemmkörper abspaltet, wodurch erst das Pepsin entsteht.

 

Magenschleim

 

Sämtliche Oberflächenzellen der Magenschleimhaut sowie die Nebenzellen der Magendrüsen stellen den Magenschleim her. Das in ihm enthaltene Muzin macht es besonders zäh und dickflüssig. Der Magenschleim überzieht die Magenwände und trägt zum Schutz vor Autolyse durch die Salzsäure und Pepsin bei. Muzin ist nämlich in der Salzsäure des Magens nicht löslich. Der allerwichtigste Schutz des Magens vor Autolyse/Autodigestion stellt allerdings eine intakte Zellmembran der Oberflächenzellen der Schleimhaut dar und dafür ist eine gute Schleimhautdurchblutung notwendig.

 

Regulierung der Magensaftabsonderung

 

Pro Stunde sondert der Magen eines gesunden Erwachsenen lediglich 5-12 ml Sekret ab. Zu diesem Zeitpunkt hat das Sekret einen neutralen bis leicht alkalischen pH-Wert und enthält neben Wasser nur Schleim und Elektrolyte. Dieses Nüchternsekret ist frei von Magensäure und Pepsin. Die Sekretion des Magens wird durch verschiedene Vorgänge beeinflußt, diese Vorgänge sind hemmend oder fördernd. Zur besseren Übersicht unterteilt man die folgenden Phasen:

 

1.      Die vom Hirn gesteuerte kephale Phase

2.      Die Magenphase (gastrische Phase)

3.      Die Dünndarmphase (intestinale Phase)

 

Die vom Gehirn gesteuerte Sekretionsphase des Magens (kephale Phase) ist jener Teil der Sekretion, der unter dem Einfluss der Impulse des ZNS steht. Durch die Geruchsempfindungen wird die Sekretion des Magensaftes bereits reflektorisch gefördert. Selbst der Anblick oder die Vorstellung von Speisen nimmt darauf Einfluß.

 

Die nächste, die gastrische Phase wird ausgelöst sobald die Nahrung in den Magen gelangt. Es entsteht ein mechanischer Dehnungsreiz (reflektorisch) und somit zu einer Sekretionssteigerung und Freisetzung von Gastrin. Die Gastrinfreisetzung wird jedoch zusätzlich durch Substanzen wie Gewürze, Koffein und Alkohol gefördert.

 

Während der intestinalen Phase (Dünndarmphase) und die Salzsäureproduktion wird durch die Freisetzung von Sekretin im Magen gehemmt.

 

 

Quellen:

I care Pflege, Thieme ISBN 9783131656513

Pflege heute, Nicole Menche ISBN 9783437267734

Anatomie und Physiologie WEISSE REIHE, Elsevier GmbH ISBN: 9783437286421

Arbeitsbuch Anatomie und Physiologie, Erica Jecklin, 7. Auflage, Gustav Fischer, ISBN 3-437-00662-2

https://de.wikipedia.org/wiki/Magen

https://www.planet-wissen.de/natur/anatomie_des_menschen/magen/index.html

http://flexikon.doccheck.com/de/Magen

 

 

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