Pathophysiologie: Die Anämie [lat. Anaemia]

October 4, 2018

Pathophysiologie: Die Anämie [lat. Anaemia]

 

In dem heutigen Beitrag möchte ich eine Erkrankung aufgreifen, die in der täglichen Praxis relativ häufig vorkommt und nicht selten kann diese Erkrankung lange Zeit latent verlaufen, ohne dass sie bemerkt wird. Und ebenso geläufig ist die Tatsache, dass es sich dabei um einen Zufallsbefund im Rahmen einer diagnostischen Routineuntersuchung des Blutes handelt.

 

Aber es gibt auch ganz eindeutige Fälle der Anämie und jeder Blinde mit dem Krückstock sieht dann, dass der Betroffene offensichtlich an einer Anämie leidet. Doch dazu im Verlauf noch mehr und detailliert.

 

Die Anämie 

 

Umgangssprachlich bezeichnet man eine Anämie als sogenannte "Blutarmut", damit ist eine Verminderung der Hämoglobin-Konzentration Hb (alternativ Hämatokrit) im Blut unterhalb der spezifischen Norm gemeint. Hämoglobin ist der eisenhaltige Proteinkomplex, der in den roten Blutkörperchen [Erythrozyten] den Sauerstoff bindet. Als sauerstofftragendes Protein befindet sich das Hämoglobin überwiegend in den Erythrozyten.

 

Eine Anämie geht somit mit einer Erythrozytopenie einher, also ein Mangel an sauerstofftragenden Erythrozyten. Der Organismus versucht nun durch Kompensationsmechanismen den Mangel auszugleichen, er pumpt das Blut viel schneller durch den gesamten Körper, in der Folge kommt es zu einem Anstieg der Herzfrequenz. Dadurch gerät der Körper jedoch viel leichter an seine Belastungsgrenze.

 

 

Abbildung: Erythrozyt [stark vergrößert]

 

Die Erythrozytopenie

 

Die Anämie geht also aus einem Mangel an Hämoglobin Hb hervor. Hämoglobin kommt überwiegend in den Erythrozyten vor, da es dort an das Protein gebunden ist und dies bedeutet, dass ein Mangel an Hämoglobin Hb stets mit einem [relativen] Mangel an Erythrozyten einhergehen muss, man spricht dann von einer Erythrozytopenie. Eine Erythrozytopenie hat immer einen Mangel an Hämoglobin zur Folge.

  • Hämoglobin Hb-Verlust -> Mangel an Erythrozyten -> Anämie, da eine Erythrozytopenie vorliegen muss

Was versteht man unter dem sogenannten Hämatokrit [Hkt]?

 

Alternativ zum Hämoglobin Hb, kann das Hämatokrit Hkt bestimmt werden. Als Hämatokrit bezeichnet man den Anteil der Erythrozyten am Volumen des Blutes. Erythrozyten stellen unter physiologischen Bedingungen 99% des gesamten Volumens der Blutzellen dar, deshalb entspricht der Hämatokrit in etwa dem Anteil des Zellvolumens am Blutvolumen. Ferner kann der Hämatokrit-Wert Aufschluss über den Wasserhaushalt des Patienten geben. Das Hämatokrit Hkt ist somit die Summe der festen Bestandteile des Blutes sozusagen.

 

Symptome der Anämie

 

Die typischen Symptome der Anämie lassen sich durch die pathologischen Prozesse erklären:

  • Leichte Ermüdbarkeit, Leistungsabfall

  • Dyspnoe, Luftknappheit insbesondere bei der körperlichen Belastung

  • Kopfschmerzen

  • Müdigkeit, Schwindel

  • Palpitationen

  • Hypotension in den Gefäßen

  • Tachykardie

  • Blasse Haut und Schleimhäute

  • Sklerenveränderung (weißliche Farbe mit bläulichem Unterton)

  • Konzentrationsschwäche

  • Schlaflosigkeit

  • unter Umständen Angina pectoris durch die Sauerstoffunterversorgung

  • Nierenschäden infolge der verminderten Sauerstoffversorgung

  • Proteinurie

  • brüchige Nägel, Haarausfall, Spliss

  • charakteristische Geräusche in den Jugularvenen am Hals, das sogenannte Nonnenrauschen

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Diagnostik | Anämie

  • Anamnese

  • Suche nach Blutungsquellen in Magen und Darm, genitale Blutungen bei Frauen

  • Laboruntersuchung (Erythrozyten, Hämatokrit, Hämoglobin)

  • Differenzierung zwischen Blutverlust, Blutabbau oder Blutbildungsstörung ist notwendig

  • Zugrunde liegende Erkrankung muss gesucht werden, häufig handelt es sich dabei um Infektionen, Tumoren, Störungen in der Erythropoese (Bildung der Erythrozyten)

Eine Blutbildungsstörung lässt sich durch die Bestimmung der Retikulozyten (unreife rote Blutkörperchen) feststellen, denn unter physiologischen Bedingungen werden diese bei einem erhöhten Blutverlust in erhöhter Zahl vom roten Knochenmark freigesetzt.

 

Die Proteine aus dem Eisenstoffwechsel Ferritin, Transferrin und Transferrinrezeptor geben Aufschluss darüber, ob eine Eisenmangelanämie vorliegt, oder aber auch ein Mangel an Vitamin B12 und Folsäure, bei einer perniziösen oder megaloblastären Anämie.

 

Die perniziöse Anämie ist eine spezielle Form der Anämie, die durch einen Mangel an Vitamin B12 (Cobalamin) ausgelöst werden kann. Cobalamin wird über die Nahrung aufgenommen, benötigt aber den sogenannten Intrinsic Factor aus dem Magen (Parietalzellen bilden diesen Faktor im Magen), um im terminalen Ileum resorbiert werden zu können. Störungen des IF führen zu einer unzureichenden Aufnahme von Cobalamin im Dünndarm und unter Umständen zur perniziösen Anämie. Häufig ist diese Form bei Alkoholabusus anzutreffen.

 

Die megaloblastäre Anämie ist ein Sammelbegriff für Anämieformen, bei denen es zu Störungen in den blutbildenden Zellen im roten Knochenmark kommt. Es kommt dabei zu einer Störung in der Entwicklung und der Reife der Erythrozyten, die mit dem Auftauchen von Megaloblasten (ungewöhnlich große Erythroblasten, also Vorläuferzellen der Erythrozyten, die beispielsweise bei einem Vitamin-B-12-Mangel oder einem Folsäuremangel auftreten können), sowie einer Vergrößerung der Erythrozyten im peripheren Blut einhergeht.

 

Anämieformen

  • Normozytäre Anämie (mangelhafte Erythrozytenproduktion)

  • Makrozytäre Anämie, megaloblastäre Anämie (Vitamin-B-12-Mangel, Thiamin- oder Folsäuremangel)

  • Mikrozytäre Anämie infolge von Eisenmangel oder bei Problemen mit der Nutzung von Eisen

  • Regenerative Anämie, nach akuten oder chronischen Blutungen

  • Hämolytische Anämie infolge einer erhöhten Zerstörung der Erythrozyten

Behandlung der Anämie

 

Die Behandlung der Anämie zielt darauf ab, die Ursachen zu beseitigen.

  • Transfusion von Erythrozytenkonzentraten

  • Antianämika wie Erythropoetin

  • Knochenmarksspende bei genetisch bedingten Effekten

  • Substitution von Eisen bei Eisenmangelanämie

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