Wie uns die Beta-Wellen-Aktivität unserer Schaltzentrale daran hindert, den Einstieg in die Meditation zu finden

October 31, 2018

Wie uns die Beta-Wellen-Aktivität unserer "Schaltzentrale" daran hindert, den Einstieg in die Meditation zu finden

 

Ich höre immer wieder Berichte von Menschen, die sich zwar fest vorgenommen haben zu meditieren, es dann auch regelmäßig versuchen um dann irgendwann aufzugeben, weil sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind. Menschen, die sich mit solchen Problemen konfrontiert sehen, können auch mit einer simplen Anleitung zur Meditation nichts anfangen. Es wird ihnen nicht gelingen, den richtigen Einstieg zu finden. Das ist ein ernsthaftes Problem.

 

Stellt sich an dieser Stelle die große Frage, warum diese Menschen derartige Probleme damit haben und vielleicht gehörst auch du zu diesem Kreis. Mir ging es bei meinen eigenen Gehversuchen nicht anders. Um die Vorgänge dabei richtig begreifen zu können, sollten wir das "Pferd erst einmal von hinten aufzäumen"...

 

Um zu verstehen, welche Grundlage geschaffen werden muss, um richtig meditieren zu können, müssen wir uns mit der Elektroenzephalographie beschäftigen. Ein Elektroenzephalogramm [EEG] ist die graphische Darstellung der menschlichen Gehirnaktivität, dabei handelt es sich um jene Spannungsschwankungen, die an der Peripherie, nämlich der Kopfoberfläche gemessen werden können. Das EEG gehört zu einer Standard-Untersuchungsmethode im Bereich der Neurologie und es spielt auch u.a. bei der Epilepsie eine große Rolle.

 

Abbildung unten: Ein EEG-Signal von etwa 1 Sek. Dauer |  

By Hugo Gambo [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], from Wikimedia Commons

 

Der Begriff EEG ist auf den Neurologen Hans Berger zurückzuführen, dieser nahm die ersten EEG’s am Menschen an der Universität zu Jena im Jahre 1924 vor. Auch der sogenannte „Berger-Effekt“, das Phänomen des "Alpha-Blocks", ist auf ihn zurückzuführen. Der Berger-Effekt ist eine auffällige Veränderung im EEG bei einem gesunden Menschen beim Öffnen der Augen oder bei erhöhter geistiger Aktivität.

 

Man unterscheidet dabei unterschiedliche Arten von wahrnehmbaren Wellen [die Wellen sind nichts anderes als die Gehirnaktivität in unterschiedlicher Ausprägung, Form und Charakteristik].

 

Delta-Wellen

 

Die sogenannten Delta-Wellen sind niedere Frequenzen von 0,1 bis <4 Hz und es sind eben jene typischen Schwankungen, die in einer traumlosen Tiefschlaf-Phase aufgezeichnet werden können. Ausnahme: Säuglinge produzieren auch im wachen Zustand Delta-Wellen. 

 

Zustände: Trance, Tiefschlaf, Koma

 

Abbildungen: Alpha-, Beta-, Gamma-, Delta & Thetawellen:By Hugo Gambo [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], from Wikimedia Commons

Theta-Wellen [niedrig = Theta I, hoch = Theta II]

 

Theta-Wellen liegen im Frequenzbereich zwischen 4 und <8 Hz. Messen kann man diese Art von Wellen bei Müdigkeit, Schläfrigkeit und in leichten Schlafphasen.

 

Zustände Theta I: Einschlaf-Phase, Wachtraum, Hypnose;

Zustände Theta II: tiefe Entspannung, Meditation, Wachtraum, Hypnose

 

Beta-Wellen [niedrig, mittel, hoch]

 

Beta-Wellen sind Signale im Bereich zwischen >13 und 30 Hz. Bei etwa 8% aller Menschen treten diese Wellen als physiologische, also normale EEG-Variante auf. Beta-Wellen entstehen ferner während des sogenannten REM-Schlafs, oder durch die Einwirkung von Psychopharmaka. Es ist bemerkenswert, was sich alles anhand eines EEG’s ableiten lässt.

 

Zustände niedrig: entspannte umweltbezogene Aufmerksamkeit/Wahrnehmung; Zustände mittel: klar, wach, Konzentration und Aufmerksamkeit, die nach außen gerichtet und somit umweltbezogen ist;

Zustände hoch: Stress, Angst, Panik, Flucht, Hektik, Überaktivität

 

 

Gamma-Wellen

 

Gamma-Wellen sind Signale im Frequenzbereich von mehr als 30 Hz. Diese Signale werden bei starker Konzentration, aber auch bei erfahrenen Meditierenden sichtbar. Menschen mit einer großen Meditations-Erfahrung können sogar mehr als das 30-fache [!] an erhöhten Amplituden produzieren. Gamma-Wellen sind im EEG mit dem bloßen Auge nicht sichtbar.

 

Zustände: anspruchsvolle Tätigkeiten mit einem hohen Informationsfluss

 

Anmerkung:

Es gibt noch andere Wellen, die für den Augenblick jedoch weniger von Bedeutung sind [Spikes-, Sharp-Slow- und Sharpwaves etc.]. Ich verzichte an dieser Stelle, näher darauf einzugehen.

 

Alle Gehirnwellen können nicht nur wahrgenommen und somit aufgezeichnet werden, sondern sie können auch teilweise bewusst, aber auch unbewusst beeinflusst werden und hier wird es jetzt für uns so richtig interessant, denn nun sind wir auch schon wieder bei unserem Problem mit dem Einstieg in die Meditation.

 

Im ganz normalen Alltag befinden wir uns in der Regel überwiegend in einer Phase mit einer erhöhten Beta-Wellen-Aktivität. Wir sind uns bewusst, nehmen Informationen aus unserer Umwelt wahr und wir hören, wenn es beispielsweise klingelt oder uns jemand beim Namen ruft. Dabei werden die einzelnen Zustände nicht linear voneinander getrennt, vielmehr verlaufen die Grenzen der einzelnen Ebenen fließend ineinander und im Wechsel. 

 

Im Übrigen befinden wir uns auch dann überwiegend in diesem Zustand, wenn wir nach einem stressigen Arbeitstag am Abend die Augen zum meditieren schließen möchten. Der optimale Zustand, um mit der Meditation als unerfahrener Praktizierender beginnen zu können, ist jedoch eben nicht der Zustand mit einer erhöhten Beta-Wellen-Aktivität. Nein, der optimale Zustand wäre zumindest für den Beginn, der Alpha-Zustand, also jener Zustand, mit einer erhöhten Aktivität an Alpha-Wellen – und damit wären wir auch bei der wohl größten Hürde, warum es vielen Menschen nicht gelingt zu meditieren und einen Nutzen daraus zu ziehen.

 

Zunächst einmal müssen wir es irgendwie schaffen, die Anzahl der Beta-Wellen zu reduzieren, sobald wir unsere Augen für die Meditation geschlossen haben. Ohne Wissen lässt sich dies jedoch nicht bewerkstelligen, denn sobald wir in uns kehren und unsere Augen schließen beginnt genau das, wovor es jenen Menschen mit massiven Einschlaf-Problemen graut: Gedanken [oder aber wir schlafen ein und produzieren dann ganz andere Wellen, meditieren dann aber auch nicht mehr]. 

 

Die Gedanken kommen, lassen sich nicht abschalten und wir verlieren uns in kürzester Zeit im Gedankenkreisen, dabei jagt ein Gedanke den anderen. 

Unter diesen Bedingungen können wir aber eben nicht meditieren und in den dringend benötigten Alpha-Zustand gelangen. Was also können wir tun, um diese große Hürde zu überwinden?

 

Die Lösung ist ebenso genial wie einfach

 

Es gibt u.a. zwei ganz einfache Techniken, die das Gedankenkreisen unmittelbar beenden können und somit auch die Produktion der unerwünschten Beta-Wellen-Aktivität eindämmen: Das bewusste Einsetzen einer Atemtechnik/Atemübung wie etwa dem Ketogayama, oder aber, das bewusste Einsetzen von gedachten Wörtern wie „Ein“ beim einatmen und „Aus“ beim ausatmen. Was wir dann betreiben, ist nichts anderes als die sogenannte Dissoziation.

 

Wir unterbinden dadurch unmittelbar das Einströmen weiterer Gedanken, da wir mit dem EIN/AUS oder der Atemübung, die Fähigkeit zum Produzieren von Gedanken besetzen. Selbstverständlich war das noch längst nicht alles, doch stellt es für jeden, der mit der Meditation beginnen möchte, die wohl größte Hürde dar. Wenn es dir also schwer fällt, den Einstieg in die Meditation zu schaffen oder aber, du das Gefühl hast, dass dir das Meditieren nichts bringt, dann solltest du eine dieser Techniken einsetzen, denn die Meditation ist ein Ur-Bedürfnis und es wurde uns von Geburt an mitgegeben, sich regelmäßig von der Umwelt abzuwenden und sich selbst zu erkennen - nichts anderes tun wir, indem wir die Meditation praktizieren. Ich werde an dieser Stelle auch nicht weiter ausholen, denn für den Beginn sind die hier enthaltenen Informationen alles was du benötigst, um mit der Meditation als Einsteiger beginnen zu können.

 

Ich werde in weiteren Beiträgen auf das weitere Procedere des „Staging“ eingehen [Staging: die einzelnen Bewusstseinszustände mit den entsprechenden Wellen-Aktivitäten werden als Staging/Stage bezeichnet und beschreiben, in welchem Bewusstseinszustand [mit der entsprechenden Gehirnwellen-Aktivität] man sich gerade befindet].

 

Wenn wir diese simplen aber höchst effizienten Übungen anwenden und regelmäßig üben, gelangen wir mit jedem weiteren Mal immer schneller und besser in den gewünschten „Alpha-Zustand“. Dieser Zustand ist die erste große Hürde, die genommen werden muss. Wer sich damit auseinandersetzt und die Technik der Dissoziation dabei anwendet, wird erkennen, dass die Meditation alles andere als Hokuspokus ist. Er wird aber auch erkennen, dass die Meditation für jeden einzelnen Menschen ohne jedwede Ausnahme von großer Bedeutung ist. Ich kann dir an dieser Stelle versichern, dass du dich selbst ganz neu erfahren wirst und du richtest durch die Meditation den Blick auf jene Dinge, die dir bisher unbewusst und verborgen blieben! Ehrenwort! Der Erfolg wird nicht lange auf sich warten lassen.

 

 

Anmerkung: Nicht nur die Beta-Wellen-Aktivität kann uns daran hindern, in die Meditation einzusteigen, doch um zu begreifen, was die Meditation mit unserer Gehirnwellen-Aktivität zu tun hat und welchen Bewusstseinszustand wir dafür benötigen, soll dies an dieser Stelle genügen.

 

 

Literatur:

  • Hans Berger: Über das Elektrenkephalogramm des Menschen. In: Arch f Psychiatr. 87, 1929, S. 527–570.

  • Hans Berger: Das Elektrenkephalogramm des Menschen. Bearb. Gerhard Mühlau. pmi-Verlag, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-89119-184-7.

  • Cornelius Borck: Hirnströme: Eine Kulturgeschichte der Elektroenzephalographie. Wallstein, 2005, ISBN 3-89244-893-0.

  • Mary Brazier: A history of the electrical activity of the brain; the first half-century. Macmillan, New York 1961.

  • Vladimir Vladimirovich Pravdich-Neminsky: Ein Versuch der Registrierung der elektrischen Gehirnerscheinungen. In: Zbl Physiol. 27, 1913, S. 951–960.

  • Jan Seifert: Ereigniskorrelierte EEG-Aktivität. Pabst, Lengerich 2005, ISBN 3-89967-236-4.

  • Stephan Zschocke, Hans-Christian Hansen: Klinische Elektroenzephalographie. 3. Auflage. Springer, 2012, ISBN 978-3-642-19942-4.

  • Dominik Zumsteg, Hansjörg Hungerbühler, Heinz-Gregor Wieser: Atlas of Adult Electroencephalography. Hippocampus, Bad Honnef 2004, ISBN 3-936817-15-4.

  • Riitta Hari, Aina Puce: MEG-EEG PRIMER. Oxford: Oxford Univ Pr, 2017. ISBN 0190497777.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

 

 

 

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